Wie Kreativität ins Klassenzimmer kommt
Sich selbst den Rücken stärken – so war die vierteilige Seminarreihe für Lehrer/-innen der Fremdsprachenschule und des Berufskollegs Fachhochschulreife überschrieben, die das Kolping-Bildungszentrum im Jahr 2009 anbot. Zum Jahresende widmete Sybil Lines, englische Schauspielerin, die in New York Schauspielnachwuchs ausbildet, einen Nachmittag dem Thema „Selbstbewusst auftreten“. Sechs Lehrerinnen ließen sich, in englischer Sprache und teils mit Übersetzungen von Kommunikations-Dozent Florian Ahlborn, aktiv darauf ein, anhand von Shakespeare-Texten sprachlichen Ausdruck, körperliche Präsenz und die Konzentration auf alltägliche Kommunikationssituationen in den Klassenzimmern zu üben. Dabei wurden zum Teil auch kreative Methoden für den Fremdsprachenunterricht vermittelt.
Richtig atmen, fest auf dem Boden stehen, den Schüler im Blick haben – ‚“den meisten von uns ist das vertraut“, erinnert sich Englischlehrerin Diana Dürr-Fingerhuth an ihre eigene Ausbildung. Die Herangehensweise der Schauspielerin Sybil Lines blieb allerdings nicht in der Theorie stecken. Die Gruppen- und Paarübungen hatten zum Ziel, dem Gegenüber in einer Sprechsituation Vertrauen zu vermitteln. Durch den passenden Tonfall, eine offene, selbstbewusste Körperhaltung und die Fokussierung auf den Zuhörer.
„Um die Schüler zu erreichen, ist es wichtig, sich auf sie zu konzentrieren und die eigene Befindlichkeit – auch Nervosität oder Unsicherheit - hintan zu stellen“. Wie dieser Grundsatz umsetzbar ist, zeigten Spiel-Situationen, in denen die Teilnehmer beide Positionen einnahmen: die des Lehrers und die des Schülers, die der betrogenen Ehefrau oder des fremdgehenden Mannes, die des Unfallopfers oder des Verursachers. Auch als Lady und König Macbeth studierten die Teilnehmerinnen ihre Selbstwahrnehmung und die Einlassung auf den Gesprächspartner. „Das kann man in jeder Kommunikationssituation anwenden“, zog Englischlehrerin Barbara Pröll einen Nutzen aus dem an Text- und Übungsbeispielen reichen Nachmittag. Sie und ihre Kolleginnen nahmen darüber hinaus die Anregung auf, den Sprachschatz Shakespeares für den Fremdsprachenunterricht zu nutzen. „Den passenden Ausdruck finden für die Rolle, die man ausfüllen muss“ erwies sich als Gemeinsamkeit im Schauspieler- und Lehrerberuf.
Das Gelernte im Unterricht bei Textinterpretationen anzuwenden, kann sich Deutschlehrerin Ursula Prinzing-Hanslovsky gut vorstellen. Genussvoll lernen ist möglich: „Ich fand die Anregungen erfrischend, wie man Kreativität ins Klassenzimmer bringen kann“, erklärt Janet Degener. Als Shakespeare-Liebhaberin habe sie den literarisch-aktiven Nachmittag mit Sybil Lines besonders genossen.
Darum, sich Strategien zur Stressbewältigung im Schulalltag anzueignen, ging es an den Kurstagen mit der Gestalt- und Lehrtherapeutin Dr. Marion Schirling. Wie man schwierige Unterrichtssituationen auflöst erklärte die Supervisorin anhand moderner Erkenntnisse aus der Gehirnforschung. So erhielten manche Teilnehmerinnen Lösungsangebote für immer wiederkehrende Probleme. Diana Dürr-Fingerhuth fand in der Arbeit mit Schirling und beim Kursnachmittag mit der Heilbronner Theaterpädagogin Bärbel Jogschies die Diskussion um die richtige Distanz zu Schülern interessant. Körperlich, aber auch sprachlich können Lehrer diese Distanz einfordern und halten, um eine konstruktive Unterrichtssituation zu gewährleisten.
Im Wesentlichen ging es bei allen Dozentinnen darum, neue Handlungs-Strategien zu entwickeln, sagte Fremdsprachen- und Berufskolleg-Schulleiterin Helena Strümann zu dem Fortbildungsangebot für ihre Belegschaft. Die Lehrerinnen und Lehrer tragen jetzt die Impulse und Anregungen in die Klassen. Die Motivation, eine positive und lustvolle Haltung zum Lernen zu vermitteln, haben sie bekommen.












