Interdisziplinäres Studienangebot „Kultur des Abendlandes“
Studium Generale: Kultur des Abendlandes heißt der interdisziplinäre Studiengang, den das Kolping-Bildungszentrum Heilbronn in Zusammenarbeit mit der
Katholischen Erwachsenenbildung im Stadt- und Landkreis Heilbronn (keb) durchführt. Ihre Nachbarschaft in der Heilbronner Bahnhofstraße nutzen die beiden Bildungsträger bei diesem Projekt.
Auf akademischem Niveau führen namhafte Referenten durch die Abendländische Kulturgeschichte von der Antike bis zur Neuzeit. Exkursionen und Werkbetrachtungen vertiefen dabei das Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge.
In sechs Semestern widmen sich die Teilnehmer den Themenbereichen Geschichte, Religion und Philosophie, Architektur, Malerei und Plastik, Musik, Literatur, Naturwissenschaft und Technik. Pro Studieneinheit sind 15 Termine und eine Exkursion vorgesehen. Studientag ist der Dienstag Nachmittag von 16 bis 19.15 Uhr.
Inhalte
Termine
Stundenplan
Vertrag
Kursübersicht: Kultur des Abendlandes
Kreativ das Leben bewältigen
Dem Genie auf der Spur
Was ist die Triebfeder für Kreativität? Dieser Frage geht der Mediziner, Psychiater und Autor Rainer Holm-Hadulla am Beispiel Goethes nach. Der Heidelberger Kreativitätsforscher sprach zum Auftakt des neuen Semesters im interdisziplinären Studiengang Kultur des Abendlandes, den das Kolping-Bildungswerk und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) gemeinsam anbieten.
Fallstudie
Mit seinem Werk „Leidenschaft. Goethes Weg zur Kreativität“ begibt sich der Autor und Wissenschaftler Holm-Hadulla aus gutem Grund auf das Feld der Literatur. Nicht nur, weil er selbst seit seiner Studienzeit Goethe-Liebhaber ist. Auch aus ganz praktischen Erwägungen: Der Wissenschaftler bezeichnet das Genie Goethe in dessen Werken, Briefwechseln und anderen Dokumente als den „bestüberlieferten Fall eines Menschen überhaupt“.
Werk-Einsichten
Tief ist der Professor in dieses Leben eingedrungen. In seinem Vortrag stellte er Verbindungen her zwischen Kindheit und Alter des Dichterfürsten, zwischen den Dramen, Gedichten und Briefen. Dabei entstand das Bild eines immer wieder von Krisen erfassten, empfindsamen und hochbegabten Menschen, den Liebesverbindungen aus der Bahn warfen, der neben seinem künstlerischen Werk ein tätiger politischer Zeitgenosse war, der immer wieder depressive Verstimmungen erfuhr und zeitlos-tiefsinnig schrieb.
Gesundheitsfördernd
Dieses Schreiben, der eigentliche kreative Akt, so Holm-Hadullas These, sei nicht möglich ohne all die negativen Erfahrungen wie zum Beispiel den Tod der geliebten Schwester. Es fand statt im Spannungsfeld von Ordnung und Chaos. Schreibend bewältigte Goethe das Leben, als eine Überlebensstrategie „transformierte“ der Dichter das, was ihn umtrieb. Durchaus gesundheitsförderlich, urteilte der Referent.
Hochbegabte
Er führte das Gelingen dieser Bewältigungsstrategie darauf zurück, dass sich der Dichter Zeit ließ, seine Krisen zu bedenken – schreibend, spazieren gehend. Holm-Hadulla leitete aus Goethes kreativer Strategie Bedingungen ab, die er bei vielen außergewöhnlich Begabten fand: Eine überdurchschnittliche Erinnerungskultur, die sich schon in früher Kindheit in der Fähigkeit, auswendig zu lernen, zeigt. Die Tatsache, dass es feste Bezugspersonen gibt, die unterstützend wirken. Oder die Beobachtung, dass Genies stabile Phasen haben, in denen sie fest im Leben stehen – um den Preis, dass sie in solchen Zeiten nicht kreativ sind.
Zitatsicher
Erst das Leiden ermöglicht die künstlerische Arbeit. Für Goethe belegte der Referent dies unter anderem damit, dass der Dichter aus Liebesbeziehungen floh - um umso leidenschaftlicher über sie zu schreiben. Über 50 Interessierte waren der Einladung in die Aula des sozialwissenschaftliche Gymnasium im Klosterhof gefolgt. Viele hätten dem exzellenten Redner noch lange zuhören können und genossen den Vortrag mit Exkursen in die Neurobiologie und frei eingestreuten Zitaten.


