Interkulturelles Lernen im Deutschunterricht

 

Was Goethes Gedicht „Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn“ mit den Staus auf der Autobahn Richtung Alpen zu tun hat; was den Orientalismus des 19. Jahrhunderts mit der aktuellen Berichterstattung über islamistischen Terror verbindet und wieso man in Frankreich glaubt, in Deutschland herrsche Dauerfrost – sowohl klimatisch als auch emotional: mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigt sich das interkulturelle Lernen, dem auch im Deutschunterricht am Kolping-Bildungszentrum Platz eingeräumt wird.

Heute, wo wir im Fernsehen, im Internet und auch ganz persönlich - in Deutschland oder auf Reisen - mit mehr oder weniger fremden Kulturen konfrontiert werden, ist es umso wichtiger zu verstehen, was eigentlich geschieht, wenn wir beispielsweise auf Italiener, Chinesen oder Iraner treffen und versuchen, deren Verhalten zu verstehen und darauf zu reagieren. Denn zunächst interpretieren wir ja die uns unbekannten oder nur teilweise bekannten Zeichen – Sprache, Körpersprache, Mimik etc. –und versuchen daraus Rückschlüsse für unser Verhalten zu ziehen. Oder eben auch nicht, was jeder bestätigen kann, der einmal an einem mittelmeerischen Strand knapp bekleidete, lärmende Germanen erlebt hat.

Im Deutschunterricht versuchen wir anhand von Texten und Bildern zu ergründen, wie die Mechanismen des wechselseitigen Interpretierens funktionieren, wie Stereotype entstehen und weitertransportiert werden, wieso also ein europäischer Scherzbold behaupten kann (und damit rechnen kann, verstanden zu werden):

 
„Im Himmel sind die Humoristen Briten, die Liebhaber Franzosen und die Mechaniker Deutsche. In der Hölle sind die Deutschen die Humoristen, die Briten die Liebhaber und die Franzosen die Mechaniker.“

 
Die Entstehungsgeschichte dieser oft jahrhundertealten Vorstellungen vom Anderen nachzuzeichen und in ihrer Wandelbarkeit zu verstehen, darf als ein zentrales Lernziel des modernen Deutschunterrichts gelten.

Interkulturelles Lernen ist mithin ein wichtiges Stück im kulturellen Gepäck, das wir unseren Schülern für Beruf und Studium, aber auch für ihre Persönlichkeitsentwicklung und - im durchaus altmodischen Sinn - für ihre Bildung mitgeben möchten.

 

 

© Konzept: Dr. Markus Raith

Mittwoch, 7.01.2009
Qualitätsgemeinschaft