Bunte Brücken helfen über Aggressionen hinweg

Absolventen des Fellbacher Berufskollegs für Grafikdesign statten Arbeitsagentur mit ihren Werken aus 

Fellbach/Waiblingen. Trostlos ist der Gang zur Agentur für Arbeit für die meisten Menschen ohnehin. Bisher hat sich dieser Eindruck beim Anblick der kahlen Wände bestätigt. Nun haben Schüler des Berufskollegs für Grafikdesign des Kolping-Bildungswerks für Abhilfe gesorgt.

Von Katja Edler

"?Idee!" steht in großen bunten Lettern auf den Fahnen geschrieben, die seit Neuestem im Eingangsbereich der Agentur für Arbeit von der Decke baumeln. Die Idee zur Idee stammt von Yvonne Zackel. Die junge Frau aus Schorndorf ist eine von rund hundert Absolventen des Berufskollegs für Grafikdesign der Kolping-Akademie, die sich um das neue Ambiente in der Waiblinger Agentur für Arbeit verdient gemacht haben. Grau in Grau präsentierte sich die Arbeitsvermittlung bisher. Nun zieren rund dreihundert kreative Arbeiten die Eingangs-, Warte- und Flurbereiche in einer dauerhaften Ausstellung.

"Wir sind eine Anlaufstelle für Menschen in besonderen Lebenssituationen, ein Ort, an dem Brücken gebaut werden, und ein Ort der Gefühle und Emotionen", sagt Martin Scheel, der Chef der Waiblinger Arbeitsagentur. Er glaubt, dass sich die inspirierende Wirkung der Kunst auf die Besucher überträgt. Optisch ist die Veränderung an den Wänden deutlich wahrnehmbar. "Grauer Beton ist einem Meer aus Farben und Formen gewichen", sagt Scheel.

Erste Effekte aufseiten der Betrachter haben sich ebenfalls schon eingestellt. "Die Fälle von Vandalismus, mit denen wir hier auch immer wieder zu tun haben, sind bestimmt um 80 Prozent zurückgegangen", sagt Hans-Dieter Messner. Vor zwei Jahren hat er - damals noch als Teamleiter Infrastruktur - die Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg Grafikdesign des Fellbacher Kolping-Bildungswerks angestoßen. Fünf Klassen zu je 20 Schülern haben von Projektstart bis -ende einen sichtbaren Beitrag geleistet. Für Sabine Münst, Leiterin des Berufskollegs, waren die 10 000 Quadratmeter Innenraum der Arbeitsagentur nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine gute Möglichkeit zu zeigen, "wie die dreijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Grafikdesigner beginnt und wohin sie führt". Je nach Ausbildungsstand haben die sich Schüler in ihren Arbeiten mit Farbverläufen, optischen Täuschungen, Fotodesign, Typografie, dem freien Zeichnen und der Gestaltung von Fahnen auseinandergesetzt.

2800 Euro hat die Arbeitsagentur in Farben und Leinwände investiert. "Die Kreativität wurde uns kostenlos von den Schülern zur Verfügung gestellt", sagt Hans-Dieter Messner. Gelohnt hat sich der Einsatz für Yvonne Zackel allemal. Sie hat das zwei Jahre dauernde Projekt nicht nur mit einer guten Note, sondern zwischenzeitlich auch ihre Ausbildung am Kolping-Bildungswerk abgeschlossen. Hin und wieder will die Schorndorferin dennoch zur Arbeitsagentur kommen. "Aber hoffentlich immer freiwillig und nur, um meine Fahnen anzusehen", sagt die Studentin, die ihrer Kreativität mittlerweile an der Hochschule der Medien freien Lauf lässt.

Fellbacher Zeitung vom 11. 04. 2008

Samstag, 31. Juli 2010
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