Mit Jürgen Lodemann im Bann der Nibelungen

- Jürgen Lodemann war Feuer und Flamme, als er aus der Welt der Nibelungen erzählte.

- Ilona Bräuninger (links) und Ingrid Weiß mit dem Erfolgsautoren.
Jürgen Lodemann, Vorsitzender des Verbands Deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg, bereitete mit seinem Auftritt im Kolping-Bildungszentrum Heilbronn einen gelungenen Auftakt in den interdisziplinären Studiengang „Kultur des Abendlandes“. Der Autor geht mit viel Herzblut an seine Arbeit. In seinem Werk „Siegfried und Krimhild“ verband er Fiktion und Fakten über die germanische Sage. Entstanden ist ein spannendes Werk, das auf den Spuren der Nibelungen wandelt und sich zudem mit deren Metaphorik befasst. Bei seiner Lesung in der Aula des Kolping-Bildungszentrums wurde er von rund 40 Besuchern begeistert begrüßt. Seinen Schal legte er schnell ab. „Mein Hotel hier ist so kalt, aber der herzliche Empfang hat mich innerlich erwärmt“, meinte der in Freiburg lebende Autor. Eigentlich stammt er aus Essen und ist dem Ruhrpott noch sehr verbunden. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vorurteile über seine Heimat auszumerzen. „Die Landschaft ist sehr schön und auch die Menschen sind keine bloßen Arbeiter, sondern Genießer“, so Lodemann. So lässt er das Nibelungenlied, dessen Schauplätze nicht historisch verbrieft sind, auch im Ruhrpott spielen. Die Sage um Siegfried, den Drachentöter, und seine Geliebte Krimhild spielt im 5. Jahrhundert, zur Zeit der Völkerwanderung. Das erste Mal zu Papier gebracht wurde sie aber von Mönchen im Kloster Passau um 1200. Lodemann reichert das Werk mit seiner eigenen Interpretation an und erklärt es so im historischen Kontext. „Deutsch steht nicht für Nationalismus, sondern für die Sprache des Volkes der Teutonen“, sagte er. Dies sei der krasse Gegensatz zu Latein oder Griechisch als den Sprachen der Gebildeten. Das Althochdeutsch des 5. Jahrhunderts war unverblümt, gerade heraus. Dennoch blieben die Metaphern. Neid und Gier spielten schon damals eine Rolle und zerstörten die Menschen. Siegfried stellt sich diesen Untugenden mit all seiner Kraft. Eine Thematik, die heute noch aktuell ist. Die anschließende lebhafte Fragerunde erstaunte Lodemann. „Die Heilbronner sind sehr gebildet, das finde ich beachtlich.“ Weiter geht es im interdisziplinären Studiengang „Kultur des Abendlands“ mit den ersten Seminarabenden im März. In sechs weiteren Semestern folgen noch jeweils 15 Termine.
Interdisziplinäres Studienangebot „Kultur des Abendlandes“
Studium Generale: Kultur des Abendlandes – so heißt der
interdisziplinäre Studiengang, den das Kolping-Bildungszentrum Heilbronn in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Bildungswerk am Dienstag, 11. März 2008 gestartet hat. Ihre Nachbarschaft in der Heilbronner Bahnhofstraße nutzen die beiden Bildungsträger bei diesem Projekt. Auf akademischem Niveau führen namhafte
Referenten durch die Abendländische Kulturgeschichte von der Antike bis zur Neuzeit. Exkursionen und Werkbetrachtungen vertiefen dabei das Verständnis für geschichtliche Zusammenhänge. Ingrid Weiß vom Kolping-Bildungszentrum, die wesentlich an der Konzeption des Angebots mitarbeitete, freut sich auf interessante Diskussionen: „Warum sich unterschiedliche kulturelle Strömungen in den verschiedenen Epochen herausgebildet haben, ist schon spannend zu verfolgen. Da lassen sich auch Parallelen zur Gegenwart ziehen“.
Wissen, was war, hilft verstehen, was ist: In sechs Semestern widmen sich die Teilnehmer den Themenbereichen Geschichte, Religion und Philosophie, Architektur, Malerei und Plastik, Musik, Literatur, Naturwissenschaft und Technik. Pro Studieneinheit sind 15 Termine und eine Exkursion vorgesehen. „Mit diesem Studium Generale setzen wir einen Akzent in unserem Bildungsprogramm“, erklärt Norbert Hackmann, Leiter des Kath. Bildungswerks. Studientag ist der Dienstag Nachmittag von 16 bis 19.15 Uhr. Der Studiengang startet im ersten Semester im Heinrich-Fries-Haus, Bahnhofstraße 13, im zweiten Semester ist das Kolping-Bildungszentrum gegenüber Seminarort.
Erfolgsautor Jürgen Lodemann begeisterte bei Lesung in Heilbronn: In die Aula des Bildungszentrums luden die Veranstalter auch zur Auftaktveranstaltung am 12. Februar um 19 Uhr: Der Erfolgsschriftsteller, Filmemacher, Redakteur und Moderator Prof. Dr. Jürgen Lodemann las aus seinem Roman „Siegfried und Krimhild“. Den bekannten Stoff der Nibelungensage hat Lodemann seinem Werk zugrunde gelegt, die Geschehnisse aber neu in einen historischen Zusammenhang gesetzt. Auf diese Weise stellt er den Umbruch in Europa an der Zeitschwelle zwischen Völkerwanderung und Mittelalter dar.


