Bildung ist das wichtigste Mittel gegen Fundamentalismus


Auf der Adventsfeier des Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterKolping-Berufskollegs Rottenburg sprach der Ethnologe Martin Zillinger zum Thema „Globalisierung so - oder so. Vom Kampf zum Dialog der Kulturen.“ Dabei stellte er das Projekt „Weltethos“ des Tübinger Theologen Hans Küng vor, bei dem er seit zwölf Jahren mitarbeitet.

Weihnachten als Fest des Gabentausches sei ein Beispiel für das Prinzip des „Do ut des – Ich gebe dir, damit du mir wieder gibst“, sagt Zillinger vor rund 80 interessierten Zuhörer/-innen im Foyer des Kolping-Berufskollegs. „Mit einem Geschenk will man Kontakt aufnehmen und in Beziehung treten.“ Um die Beziehung herzustellen, müssten sich allerdings beide Seiten beteiligen: „Ohne Gegengabe haben Sie ein Problem.“

 Mit anderen Worten sage das auch die Bibel: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“ steht bei Matthäus 7,12. Diese Forderung ziehe sich als ethischer roter Faden durch alle Religionen. Grundkonsens bestehe für die goldene Regel der Gegenseitigkeit: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Als Beispiel für diesen allgemeinen Grundkonsens nannte Zillinger die Bilder aus dem US-Gefängnis in Abu Ghreib. „Jeder wusste, dass das nicht richtig ist.“

 Das „Humanum“ - Jeder Mensch muss menschlich behandelt werden - ist eine Grundforderung des Projekts Weltethos. Daraus folgen vier unverrückbare Weisungen, die auf eine Kultur der Gewaltlosigkeit, der Solidarität, der Toleranz und der Gleichberechtigung von Mann und Frau abzielen. „Das Projekt Weltethos sucht in den unterschiedlichen Kulturen und Religionen Gemeinsamkeiten für ein friedliches Zusammenleben“, erläutert der Ethnologe. 

„Derzeit bewegen sich die Menschen nicht aufeinander zu, sondern igeln sich ein“, beklagt Zillinger. Der Rückschritt auf das Eigene habe in der Geschichte immer zu Säuberungen und Genoziden geführt und ein Klima des Hasses erzeugt. Und er gibt zu bedenken: „Der Rückgriff auf die eigene Kultur führt zu Politisierung und letztlich zur Fundamentalisierung - wobei die Fundamentalisten immer die andern sind.“

Bildung sei das wichtigste Mittel gegen Fundamentalismus, Rassismus, Hass und Gewalt, so der Referent. Jeder sollte die eigene Religion kennen und das Verbindende herausstreichen. Zillinger: „Friede beginnt vor der eigenen Haustür.“

Diese anspruchsvolle Gestaltung der Weihnachtsfeier hat im Kolping-Berufskolleg Rottenburg Tradition. Jedes Jahr gibt es neben Plätzchen und bunter Tüte auch einen Vortrag oder Workshop. Dieses Jahr hat der  Religionslehrer Martin Kratschmayer den Referenten von der Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterStiftung Weltethos eingeladen und dessen Vortrag als „intellektuelle Herausforderung“ eingeplant. Wie gut das Thema „Ethische Globalisierung“ in einer Welt der Ungleichheit zwischen Arm und Reich zur kaufmännischen Globalisierung passt, demonstrierte Kratschmayer in seiner Einführung mit Beispielen aus dem Atlas der Weltverwicklungen: „Mehr als 1.100 Millionen Menschen haben Übergewicht – aber 817 Millionen Menschen hungern.“

Sonntag, 18.05.2008
Qualitätsgemeinschaft