Grafisches Werk zu Heinrich von Kleist wächst

- Den Otto-Rombach-Preis verlieh Heilbronns Kulturbürgermeister Harry Mergel. Foto: Graner
Dass sie sich als angehende Grafik Designerin einmal mit Literatur beschäftigen würde, hat Stefanie Graner aus Haßmersheim nicht vorhersehen können, als sie ihre Ausbildung am Heilbronner Kolping-Bildungszentrum begann. Dennoch hat sie sich, wie ihr Schulkollege Florian Richert, auf Heinrich von Kleist eingelassen.
Die Arbeiten der beiden Drittklässler, die 2008 ihre Ausbildung an der Schule für Gestaltung abschließen werden, haben ihnen den Otto-Rombach-Preis eingebracht. Die Stadt Heilbronn vergibt diesen Kulturpreis, finanziert aus Geldern der gleichnamigen Stiftung, seit 1986 an Nachwuchskünstler in den Sparten Musik, Literatur und bildende Kunst.
Für letztere lautet eine Vorgabe, dass immer der Schriftsteller Heinrich von Kleist im Mittelpunkt der Arbeiten stehen muss. Alle Kunstbeiträge gehen ins Eigentum des Heilbronner Kleist-Sembdner-Archivs über, das 2008 aus den Arbeiten der letzten zehn Jahre eine Ausstellung zusammenstellen wird.
Die 29-jährige Stefanie Graner, die mit ihrem neuen Beruf ihr kreatives Potenzial besser ausschöpfen kann als früher im Floristenmetier, hat Bildnisse von Kleist in Bezug zu den literarischen Genres gesetzt, die er für seine Dichtungen wählte und sie mit „Emotionstiefe in vier Akten“ überschrieben. Handwerklich setzte Graner dies in einer digitalen Collage um, nutzte die Typografie des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die Einblendung von Kleists Abschiedsbrief, Abrieb- und Hochdrucktechnik, um grafisch die Verbundenheit des Dichters mit seinem Werk, aber auch das Leiden an seiner Zeit darzustellen.
Der 26-jährige Florian Richert passte in seiner Beschäftigung mit dem Autor sein Käthchen-geprägtes, eher einfältiges Kleist-Bild seinen ganz neuen Gedanken nach der Lektüre des „Findling“ und des zerbrochenen Krugs an: „Kleist steckt voller Überraschungen und hat tolle Geschichten geschrieben“, findet der angehende Grafik-Designer. Seine Aquarellgemälde zur Kleistlektüre sind ein ungewöhnliches Stück Rezeptionsgeschichte und skizzieren, wie die Dichtung einen jungen Menschen im 21. Jahrhundert anrührt und erreicht.
Die je 750 Euro Preisgeld stecken die beiden Stipendiaten in ihre Ausbildung, ganz im Sinne des Spenders Otto Rombach.
Die Preisverleihung im Heilbronner Schießhaus nahm Kulturbürgermeister Harry Mergel vor. Er würdigte auch die Teilnehmer am Wettbewerb Jugend musiziert, die 17-jährige Nachwuchspianistin Dorothea Plehn und den Hornisten Felix Baur, die der Feier musikalischen Glanz verliehen. Die Studentin Lisa Kristina Eichel nahm das Stipendium für die Kategorie Literatur entgegen. Ihr Beitrag: Die Detektivgeschichte „Mord zum Jubiläum“.

