Medientechniker verleihen der Flasche Flügel

25 Schüler, vier Dozenten und eine Flasche zwei Tage auf dem Haigern, dem katholischen Freizeit- und Begegnungshaus in Heilbronn. Ob das gut gehen kann? Eindeutig: Ja. Es gibt Beweisfotos. So viele, dass ein ganzer Film daraus wurde. Und ein richtig guter Klassenverband außerdem.

Der Reihe nach geht die Geschichte so: An der Schule für Gestaltung des  Kolping-Billdungszentrums Heilbronn startete im September das neue Berufskolleg Foto- und Medientechnik. Damit die Schülerinnen und Schüler, die ganz unterschiedliche Vorbildung, aber alle große Neugier auf ihre zweijährige Ausbildung mitbrachten, zusammenfinden, hatten die Dozenten Ebby May, Harald Koch, Tim Krieger und Fachbereichsleiter Jürgen Häffner die Idee, ein gemeinsames Projekt zu starten. Nicht in den Unterrichträumen in der Heilbronner Rosskampfstraße, sondern auf dem Haigern, vielfach erprobter Ort für Gruppenerfahrungen.

Von drei Themen- oder Objektvorschlägen, die alle aus nur einem Wort bestanden, entschieden sich die künftigen Medientechniker in demokratischer Abstimmung für – „Die Flasche“. In fünf Kleingruppen strickten sie an einer Geschichte, in der die Flasche Hauptakteur wurde. Damit alle ein in sich abgeschlossenes Werk produzieren konnten, drehte jede  Gruppe je eine Filmsequenz. Das Schlussbild jeder Gruppe nahm die andere jeweils als Startbild auf. Eine Endlos-Geschichte war geboren.

„Wir haben richtig spinnen dürfen – krativ sein halt“, erzählt Brian Bailey, wie das Drehbuch entstand. Von der anfänglichen Zurückhaltung an den ersten Unterrichtstagen war schnell nichts mehr zu spüren, überlegt er mit Klassenkameradin Anna-Lena Preinfalk im Arm. „Kreativ waren wir sogar beim Kochen“, lacht Vladimir Unkovic, dem das teils nasse Wetter und die Jugendherbergsatmosphäre nichts ausmachte. Von wegen Studio – das gibt’s „daheim“ in Heilbronn.

Projekttage, das hieß: Mit Tipps von praxiserprobten Dozenten  und der Kamera dabei, und zwar unter allen Wetter- und Lichtbedingungen und immer dann am Auslöser, wenn die Flasche endlich tat, was sie sollte: Aus dem Kühlschrank hüpfen und in die Welt hinaus spazieren, Streitobjekt für zwei Jugendliche werden, sich Flügel wachsen lassen und ufogleich  durch den Raum schnurren, an unsichtbaren Schnüren bewegt die Treppe hinunterpurzeln, ohne zu zerbrechen. „In Natura arbeiten, das hat was“, findet Vladimir, „ich bin sowieso ein Outdoor Fan“.

Am Computerarbeitsplatz blieb allerdings doch noch viel zu tun bis alle Fotosequenzen aneinandergereiht und mit Musik unterlegt waren, so dass das fertige Werk am Ende wirklich wie ein Film abläuft. Premierepublikum waren die Gäste beim Tag der offenen Tür der Schule. Mit großem Spaß begutachteten sie den Film, ließen sich seine Entstehungsgeschichte erzählen und verstanden, warum die Schüler sich einig waren, der Haigern-Trip sei ein anstrengender, aber lohnender Ausflug gewesen: „Gerne wieder“ heißt das Schüler-Urteil über ihre Projekttage.

Freitag, 4.07.2008
Qualitätsgemeinschaft