Großes Publikum für Kleist
„Gerechtigkeit und Rechtlichkeit“ – über diese Leitbegriffe im Werk Heinrich von Kleists sprach jetzt Professor Dr. Ditmar Skrotzki vor Schülerinnen und Schülern des Heilbronner Abendgymnasiums, vor Lehrern und Gästen. Die Gemeinschaftsveranstaltung des Kleist-Archivs Sembdner und des Literarischen Vereins Heilbronn e.V. stieß in der Aula des Kolping-Bildungszentrums auf reges Interesse auch bei den jungen Zuhörern, denen Skrotzki „ihren“ Kleist interessant zum machen wusste.
Aber auch diejenigen, denen der Autor ein alter Wegbegleiter ist, fassten neue Aspekte in seinem Werk ins Auge: So reichen, wie Skrotzki spannungsreich ausführte, die Lesarten Kleists von der Fackel Preußens über den Autor des absoluten Gefühls, den Dichter des Abgründigen, einer Psychologie des Rätselhaften und der Existenzstufen bis hin zum Kritiker jeder beständigen Ordnung. Eine Gemeinsamkeit, die Skrotzki dennoch herausarbeitete, ist die Betonung des Radikalen, Unbedingten. Ein Sicht, die auch Kleists Biografie nahe legt.
Weniger Beachtung dagegen fanden die Aspekte einer verantwortungsvollen Welt- und Rechtsgestaltung und damit eines Weges, auf dem der Mensch in allem Chaos doch ein Stück seiner Würde bewahren kann. Dieser Spur folgte der Referent in den zentralen Werken „Michael Kohlhaas“ und „Die Marquise von Ô“, die als Sternchenthemen die nächsten beiden Abiturjahrgänge beschäftigen werden.
Dabei zeigte Skrotzki, dass Kleist auch in dieser Hinsicht mehr gestaltet, als man wahrnimmt, wenn man seine Werke „nur auf der Linie seiner radikalen Schwungbögen“ liest. „Ein anregender, gelungener Vortragsabend“, freuten sich die Gastgeber, Ilona Bräuninger, Leiterin des Kolping-Bildungszentrums in der Bahnhofstraße, und Norbert Wacker als Leiter des Abendgymnasiums.




