Auf der ganzen Welt zuhause

Staatsbesuche vorbereiten, ausländische Delegationen oder die Abteilung „Orden“ betreuen – überall im auswärtigen Amt gibt es Arbeit für EuropasekretärInnen und WirtschaftskorrespondentInnen. Birigt Mössing, Kanzleivorsteherin in der Bundesbehörde in Berlin, stellte in der Aula des Kolping-Bildungszentrums den Schülerinnen und Schülern der Fremdsprachenschule Beschäftigungsmöglichkeiten im Auswärtigen Amt vor, von denen viele romantisch-verklärte Vorstellungen in den Köpfen schwirren.

Die Herausforderungen, die an solche Berufswege gekoppelt sind, stellte Mössing ganz nüchtern dar: „Das gesamte Berufsleben ist bestimmt von Mobilität und Flexibilität“, denn mehr als vier Jahre wird man nirgendwo sein. Für Partner oder Familien multiplizieren sich die Fragen, wie man das Leben gestalten kann, so dass beide Partner Arbeit finden, die Kinder Schulwechsel gut überstehen, die tägliche Versorgung funktioniert oder die Sicherheit gewahrt werden kann. Trennungen und Neuanfänge bestimmen dieses Leben, aber auch der Umstand, dass man mit der Zeit weltweit Freundschaften knüpfen kann.

Schon bei den Einstellungstests, bei denen oft über hundert Bewerber auf eine Stelle kommen, drängt sich die Realität in den Vordergrund: die Aufnahmeprüfungen gelten als anspruchsvoll. Ist diese erstel Hürde geschafft, müssen sich FremdsprachenkorrespondentInnen und EuropasekretärInnen zunächst mit den internen Gepflogenheiten einer Bundesbehörde vertraut machen: „Es gibt Unterschiede zu den üblichen Sekretariats- und Vorzimmer-Aufgaben“, erklärte Mössing, zum Beispiel müssen besondere Formen des Schriftverkehrs erlernt werden, die der Umgang mit Bundesministern, Staatsministern und –sekretären mit sich bringt. Besondere Weiterbildungen in EDV oder interner Kommunikation nehmen die ersten Monate in dem Berliner Amt in Anspruch. „Wir stellen hoher Anforderungen, nicht nur an die Sprachen, sondern auch an die kulturelle und soziale Kompetenz unserer Mitarbeiter“, stellte Mössing klar.

Nach spätestens drei Jahren geht es ins Ausland. In so genannte A-, B- oder C-Länder, also solche mit europäischen Standards, in Ostländer oder Krisengebiete, im Insider-Jargon auch Zitterländer genannt. Dass als Einstiegsgehalt rund 1000 Euro Netto zu erwarten sind, löste bei den gespannten ZuhörerInnen ein Raunen aus. Die Gehälter unterliegen dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, erklärte Mössing, und je nach Einsatzort relativiere sich das Gehalt, weil die Zahlungen an die Gegebenheiten der Gastländer angeglichen würden.

Steffi Musselwhite hat dieses Leuchten in den Augen, das blasse Zahlen nicht trüben können: “Ich will ins Ausland“, sagt sie, die gute Auslandserfahrungen aus ihrem persönlichen Umfeld kennt. Auch Ulf Seitz hat der Vortrag gefallen: „Dieses Wechselspiel, aller vier Jahre woanders zu sein, kann ich mir gut vorstellen, sagt der E1-Schüler: „Ich bin offen für andere Kulturen“.

Samstag, 31. Juli 2010
Qualitätsgemeinschaft