Kolping-Fremdsprachenschülerinnen sahen ein fremdes Italien-Gesicht

Italienische Gastfreundschaft als Tourist zu loben, kann man sich gut vorstellen. Dass sie aber auch lebt, wo man es vielleicht nicht im Überschwang erwartet, haben fünf Fremdsprachenschülerinnen und Schulleiterin Helena Strümann aus dem Kolping-Bildungszentrum auf ihrer Fünf-Tage-Reise ins ligurische Sarzana erfahren.

Ihre Mission: Ihren Beitrag zum Projekt Storytelling weiterzuentwickeln, mit dem sie erstmals Anfang 2007 in der Aula des Bildungszentrums in der Heilbronner Bahnhofstraße aufgetreten waren. Die Miteisenden: Meist Erwachsene, Weiterbildungswillige, die sich mit ihren Ideen, wie Geschichten erzählt werden können, einbringen und ihren Beitrag zum gemeinsamen Ziel leisten: Das Geschichtenerzählen als Methode zum Erlernen von Fremdsprachen zu etablieren.

Das Zwei-Jahres-Projekt mit mehreren transnationalen Treffen in Ländern, aus denen die Teilnehmer kommen, wird durch die Europäische Unionim Rahmen von Sokrates Grundtvig als so genannte Lernpartnerschaft gefördert. Nach dem Treffen von sechs Nationen in Heilbronn kamen jetzt in Italien Projektgruppen aus dem Gastgeberland, aus Belgien, Litauen, Spanien, Wales und die Deutschen aus Heilbronn zusammen. An ungewöhnlichen Orten. Weil die italienische Storyteling-Partnerin in therapeutischen Maßnahmen arbeitet, nahm sie die rund 30 Personen starke Besuchergruppe kurzerhand mit in ihre therapeutischen Communities, Einrichtungen, in denen überwiegend Sucht- und Drogenkranke behandelt werden.

Eine bizarre Erfahrung, findet Lisa Adomeit. “Ich hatte noch nie mit diesem Personenkreis zu tun, ich war anfangs schon etwas schockiert“, erzählt sie. Und dann gerät sie ins Schwärmen: über die typisch ligurische Küche, die ganz ohne Pizza und Pasta auskommt und über Gespräche mit Händen und Füßen, in denen die Patienten dort viel von sich preisgaben „Das war nicht oberflächlich“, urteilt Ramona Zeller, „unsere ice breaker-Spiele waren lustig und haben ihren Zweck erfüllt“ – das Gegenüber kennenzulernen, einen Teil der Menschen, die eine fremde Kultur ausmachen. Storytelling-Projektsprache ist Englisch. In den internationalen Workshops hatten die Heilbronner Gelegenheit, schon von der letzten Begegnung bekannte Projektgruppen zu beobachten

„Belgien war cool“, fand Ramona, der die Idee, in einer Videopräsentation persönliche Geschichten von Migranten festzuhalten, gefiel. Videotechnik in ihre viersprachige szenische Parzival-Lesung einzubauen, ist der nächste Arbeitsschritt der Heilbronner Gruppe, beschreibt Saskia Nimis. Der Schauspieler und Regisseur Michael Miensopust hat die Truppe bis jetzt unterstützt. Er wird mit ihnen auch das nächste Treffen im litauischen Vilnius vorbereiten.

Helena Strümann, Projektverantwortliche in Heilbronn, beobachtet deutliche Fortschritte aller Aktiven in der Kommunikation untereinander, aber auch bei der Präsentation ihrer Arbeitsergebnisse. Der Umgang miteinander in englischer Sprache gewinnt an Sicherheit, findet sie. Sogar Stegreif-Aufgaben bewältigten alle mit Bravour. Saskia: „Wir hatten zum Beispiel zum Thema „Fruitcake“ eine Komödie umsetzen: Erdbeere, Banane, Apfel und Kirschen stritten sich, weil alle in den Kuchen wollten“. In einer international gemischten Gruppe mit nur einer Viertelstunde Vorbereitungszeit nichts für Zauderer. Strümann erklärt, wie die Arbeiten aller Beteiligten bis zum großen Abschlusstreffen im nächsten Sommer in Wales verbunden werden sollen:

Alle Partner beschreiben die Methoden, mit denen sie ihre einzelnen Storytelling-Beiträge erarbeitet haben. So wollen die Gruppenleiter das Projekt an die Ausgangs-Aufgabenstellung zurückbinden und die Methoden dokumentieren, die ihre Tauglichkeit zum Fremdsprachen lernen bis dahin bewiesen haben werden.

 

Stimmen der Schülerinnen

Lisa Adomeit "Es war eine interessante Zeit, in der ich wieder neue Eindrücke von den Kulturen und der Mentalität der Partnerländer gesammelt habe."

Ramona Zeller "Am schönsten war das Gefühl, den Menschen mal wieder ein Stückchen näher gekommen zu sein."

Nina Haug "Ich war erstaunt, wie gut die Kommunkation auch ohne gemeinsame Sprache funktioniert. Weltsprache ist immer noch Körpersprache."

Jennifer Gross "Wie erlebten, wie Parzival, unser ganz eigenes Abenteuer hinter den atemberaubenden Kulissen Italiens."


Saskia Nimes "Es war sehr interessant mit den vielen unterschiedlichen Leuten Bekanntschaft zu machen."

 Infos

Projekt

Bei einem Kontaktseminar in Udine wurde die Idee entwickelt, im Fremdsprachenunterricht mit der Methode des Geschichtenerzählens zu arbeiten. Das Verständnis der eigenen Traditionen ist Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis und Einklang zwischen den Kulturen. An diesem Wissen mangelt es oft. Das führt zu sozialen und persönlichen Problemen.

Aus der Idee wurde die Lernpartnerschaft „Stories from the Past – Tales for the Future“ entwickelt.

Projektpartner

  • Cardiff Council in Wales
  • Centrum voor Volwassenenonderwijs in Heverlee, Belgien
  • Escuela Oficial de Idiomas in Alcaniz, Spanien
  • Laboratorio i Arte Contemporanea della Bassa Lunigiana in Sarzana, Italien
  • Public Service Language Centre in Vilnius, Litauen
  • Kolping-Bildungswerk Württemberg e. V., Fremdsprachenschule Heilbronn

Nächstes Treffen: April 2008 in Vilnius, Litauen

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Freitag, 4.07.2008
Qualitätsgemeinschaft