„Ziel des Mathematikunterrichts in der Schule sind heute anwendungsorientierte Mathe-Aufgaben“ führte der Minister aus. Die Fähigkeit, Probleme des Alltags erkennen, berechnen und deuten zu können, führe zu höherer Studierfähigkeit, besonders auch für die technischen Mangelberufe. „Die Heranwachsenden für Mathematik begeistern, das kann diese Ausstellung in hohem Maße.“ Minister Rau erinnerte an den Erfolg der Ausstellung vor zwei Jahren in der Rosensteinstraße 30. Jetzt habe das Regierungspräsidium mit dem Haus der Wirtschaft einen weiteren Rahmen zur Verfügung gestellt.
Ursula Bauer, Schulleiterin des Eduard-Spranger-Gymnasiums (ESG), plädierte ebenfalls für „Lernen mit allen Sinnen, mit Kopf, Herz und Hand“ und verwies dabei auf Konzepte von Pestalozzi, Montessori und Dewey. Für das einstige Horrorfach Mathematik habe das ESG – seit 1998 SINUS-Schule – neue Unterrichtskonzepte entwickelt, um die Freude an diesem Fachgebiet zu wecken. Die MzA berücksichtige Erkenntnisse der Neurobiologie und widerlege die Enzensbergsche Ansicht von Mathematik als einem „unzugänglichen, von tausend Formeln verbarrikadierten Terrain.“ 

Höchst vergnüglich und äußerst lehrreich führte Professorin Karin Reich durch die Geschichte der Mathematik und verwehrte sich vehement gegen deren „staubtrockene Vermittlung“. Die Zahlenwissenschaft sei jahrtausendelang anwendungsbezogen gewesen: Schon vor 3 500 Jahren habe es in Stein gehauenen Quittungen für Abgaben gegeben, Berechnungen von der Größe der Felder und sogar Stadtpläne. Die Musik sei ohne Mathematik nicht denkbar, die Malerei arbeite mit der Perspektive, die Numerologie versuche mit Zahlen die Welt zu deuten. Erst zu Ende des 19. Jahrhunderts habe David Hilbert der Mathematik mit seiner Axiomatik eine Allzweckwaffe an die Hand gegeben: „Das ganze 20. Jahrhundert ist axiomatisch! - Staubtrocken!“ Im Jahr 2008, dem „Jahr der Mathematik“ werde es in Berlin eine von Wissenschaftlern konzipierte Mathematikausstellung geben. „Aber ob die es an Attraktivität mit der MzA aufnehmen kann?“  

Mehr als ein musikalisches Rahmenprogramm: Susanne Heydenreich vom Theater der Altstadt, am Klavier begleitet von Alexander Reuter, bot den MzA-Besuchern mit Chansons, Couplets, Gedichten und dem Goetheschen Hexeneinmaleins eine eigene Privatvorstellung. Das Eröffnungspublikum dankte es mit lang anhaltendem Applaus. Und dann ließen sich  „Mathe-Freaks und Sprachbegabte“, so KBW-Vorstand Dr. Carsten Breyde bei seinem Schlusswort, von Möbiusband, Ulam-Spirale, Galton-Brett und Fühlkasten in den Bann ziehen. 

 

Sonntag, 18.05.2008
Qualitätsgemeinschaft