Zur Sache: Bildung als Schlüssel

Die demographische Entwicklung und die Globalisierung gelten zu Recht als die großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Demographie ist eine recht exakte Wissenschaft, deren Zukunftsprognosen als sehr realistisch gelten. Dafür sorgen u.a. so überzeugende Argumente wie dieses: die heute Nichtgeborenen werden auch keine Kinder bekommen. Damit ist auch klar, dass wir in der Zukunft mit weniger und älteren Menschen weiterhin produktiv und innovativ sein müssen, denn auch mit gezielter Zuwanderung lässt sich der Prozess nicht aufhalten. Es hilft auch wenig festzustellen, dass Italien und Spanien noch schneller altern als wir. Aber es lässt sich auch sagen, dass wir mit weniger und älteren Menschen weiterhin produktiv und innovativ sein dürfen. Denn es ist letztlich eine Frage der Rahmenbedingungen die wir schaffen, damit Menschen auch in fortgeschrittenem Alter leistungsfähig sind. Also bedarf es intelligenter Lösungen bei den Gestaltungsfragen von Arbeitsplätzen für die Zukunft. Diese Aufgabe scheint lösbar, zumal erwähnt werden muss, dass Menschen niemals so gesund und leistungsfähig gealtert sind, wie dies aktuell und in der Zukunft der Fall sein wird. 

Die zweite Herausforderung liegt in der Globalisierung mit den verschiedensten Auswirkungen. Zum einen - und dies ist eine häufig vergessene Tatsache -  profitiert die Bundesrepublik Deutschland erheblich von diesem Prozess. Eine exportorientierte Wirtschaft hat im Kontext der Globalisierung einen besseren Zugang zu den verschiedenen Märkten auf dieser Welt. Die Kehrseite der Medaille bezieht sich auf die Wettbewerbssituation von Dienstleistungen und Produktionsprozessen, in denen unser Land auf Grund einer gänzlich anderen Einkommens- und Sozialstruktur und eines gänzlich anderen gesellschaftlichen Wohlstandes mit den Weltmarktpreisen nicht konkurrieren kann. Letzteres gilt natürlich insbesondere für alle einfachen Prozesse und Tätigkeiten. Weder am Prozess der Globalisierung noch an der Konkurrenzfähigkeit in einigen Bereichen lässt sich Wesentliches verändern. 

Eine grundsätzliche Bedeutung für die erfolgreiche Bewältigung beider oben angeführter Herausforderungen liegt im Bereich der Bildung und der Qualifizierung.  Die Bundesrepublik Deutschland hat gerade im Feld der Weiterbildung noch erheblichen Nachholbedarf. Weiterbildung sollte für jeden Bürger dieses Landes ebenso selbstverständlich werden wie Gesundheits- bzw. Altersvorsorge. Dem Staat - Bund und Ländern - kommt in diesem Kontext die Aufgabe zu, für adäquate Rahmenbedingungen zu sorgen. Dazu gehört meines Erachtens eine gezielte und unterstützte Kampagnenarbeit, die Schaffung wirtschaftlicher Anreize für Weiterbildungsinteressierte (verbesserte steuerliche Absetzbarkeit, Bildungssparen etc.) und die Schaffung eines europäischen Referenzrahmens für Bildungs- und Weiterbildungsabschlüsse.

Wenig hilfreich sind in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der jüngsten Förderalismuskommission, die das Thema Bildung und insbesondere den Bereich der Weiterbildung verstärkt auf den Zuständigkeitsbereich der Länder festgeschrieben haben. Vielmehr ist eine gegenläufige Entwicklung zu wünschen und zu befürworten. Es handelt sich bei dem Thema Bildung natürlich um eine europäische Herausforderung. Der Freizügigkeit der Wahl des Arbeitsplatzes in Europa kann erst dadurch hinreichend Rechnung getragen werden, dass die verschiedenen Abschlüsse und Qualifikationen gegenseitig anerkannt und aussagekräftig sind. Dazu ist ein europäischer Referenzrahmen erforderlich, der politisch als europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) diskutiert wird. Erst die Erfüllung der beschriebenen Voraussetzungen machen die  Weiterbildung zur tragfähigen vierten Säule des Bildungssystems, siehe auch Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. 

Die nun durch die Bundesrepublik Deutschland übernommene Ratspräsidentschaft der Europäischen Union bietet die Gelegenheit auch hier in den wichtigen Zukunftsfragen voranzukommen. Gutes Gelingen!

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Carsten Breyde

Sonntag, 18.05.2008
Qualitätsgemeinschaft