Das Dachsteinunglück aus Autorensicht faszinierte KBZ-Publikum
Peter Gruber ist wieder über alle Berge, aber sein Auftritt am Abendgymnasium des Heilbronner Kolping-Bildungswerks hallt nach. Der österreichische Autor, der vor Oberstufenschülern, Lehrern und interessierten Kolping-Mitarbeitern seine Arbeit an seinem jüngsten Roman „Tod am Stein“ vorstellte, hat viele seiner Heilbronner Zuhörer tief beeindruckt.
Das Dachsteinunglück, bei dem am Karfreitag 1954 zehn Heilbronner Schüler und ihre Lehrer ums Leben kamen, hat der 51-Jährige akribisch studiert, dokumentiert, aber in der literarischen Umsetzung als Roman auch die Fiktion bemüht und so, den Hergang der Ereignisse rekonstruierend, Lücken gefüllt. Wie seine ernsthafte, ehrfurchtsvolle und dramaturgisch angereicherte Darstellung entstand, hat Gruber in der Aula des historischen Heilbronner Bahnhofs erzählt. Vor einem atemlos lauschenden Publikum beschrieb der gelernte Marketing-Fachmann, wie er sich seinem Stoff in den Sommermonaten auf einer einsamen Almhütte ohne Wasser, Strom und Kontakt zu Außenwelt annäherte.
„Autoren-Werkstatt“ war die Schul-Veranstaltung überschrieben, die einen intimen Einblick in den Umgang mit einem derart tragischen Thema lieferte. Gefühlvoll, gleichzeitig aber auch nüchtern, distanziert und doch mit großer Betroffenheit und Nähe schilderte der Österreicher seine Sicht der Ereignisse und zog sein Fazit: „Wenn ich mir ansehe, wie wir Menschen die Natur, insbesondere die Berge in den Alpen und überall in der Welt, ständig in ihren Grenzen herausfordern, bekomme ich mehr und mehr den Eindruck, dass wir kaum lernfähig sind“.
Die umfangreichen Recherchen im Vorfeld der Schreibarbeit hatten Gruber schon einmal in die Neckarstadt geführt, die Beziehung zu Stadtarchivar Prof. Dr. Christian Schrenk mündete 2004 in eine gemeinsame Arbeit über das Dachsteinunglück. Wie Gruber in seiner Berg-Einsamkeit mit der Natur lebt, weite Wege zurücklegt, um sich Wasser zu beschaffen, sich schreibend als „Außerirdischen“ erlebt – dies alles brachte die Abendgymnasiasten ins Gespräch mit ihm. Der wichtigste Grund, warum sich Gruber – absichtlich erst nach dem 50. Jahrestags des Unglücks – mit seinem Roman auf Lese- und Präsentationsreise begab. Der Autor suchte das Gespräch mit seinem Heilbronner Publikum. Dass darunter viele künftige Leser sein werden, ist Norbert Wacker, Schulleiter des Abendgymnasiums, klar. Der mit Spannung erwartete Besuch, dessen ist sich Wacker gewiss, gehört zu den Höhepunkten im Schul- und Veranstaltungsjahr 2006.

