Kontrastprogramm zwischen Hexen und Heuss

Norbert Wacker dankt Prof. Dr. Christhard Schrenk für seinen kurzweiligen Heuss-Vortrag - natürlich flüssig.
Interessierte Zuschauer bei "Papa Heuss" und Theater-Klassikern.
Felix Urich (r) und Dennis Conte mimten gekommt Faust und Mephisto.
Verhexten die Aula: Shqipe Gashi, Nicole Siwiec und Selma Celik (v.r.)
Lord Macbeth (Felix Urich) ist Lady Macbeth (Wuhbet Habtu) hörig.
Ein Heuss-Original aus dem Heilbronner THG machte während des Vortrags von Prof. Dr. Christhard Schrenk im Publikum die Runde.

Um 19 Uhr drücken die Abendgymnasiasten am Heilbronner Kolping-Bildungszentrum für gewöhnlich die Schulbank. Obwohl es ein freier Abend war, kamen sie zum Symposium in der Aula des historischen Bahnhofs,  zu dem Schulleiter Norbert Wacker geladen hatte – aus Neugier auf die angebotenen Themen. Die Veranstaltung, zu der in der Pause, ganz im klassischen Sinne, auch ein „Trinkgelage“ gehörte, blieb sich treu und wartete wieder mit einem  Kontrastprogramm auf. Hexen spielten darin eine Hauptrolle: Die, die bei Shakespeare Lord Macbeth mit ihren Weissagungen herausfordern und die, die bei Goethe den Faust bezirzen, bis er sich Mephisto ausliefert. Aus drei Klassenstufen rekrutiert sich die Schauspieltruppe von Ute Metzger. Die Deutschlehrerin gründete 2006 die Theatergruppe – eine Besonderheit an den baden-württembergischen Abendgymnasien. Neben Beruf und Unterricht finden die Schüler an diesem Hobby Gefallen, obwohl sie in einem Schulhalbjahr keine kompletten Stücke einüben können: „Dazu reicht die Zeit nicht“. Dass sie dennoch mit spürbarem Engagement schwierige Texte überzeugend und flüssig herüberbrachten und auf der kärglich ausgestatteten Bühne mit vielen Symbolen und wenig Requisiten auskamen, erhielt großen Beifall. Anerkennender Applaus war danach auch dem Gastredner des Abends, Prof. Dr. Christhard Schrenk, Leiter des Stadtarchivs Heilbronn, sicher. Ihm fiel es zu, nach den gefälligen Theaterauszügen einen Blick in die deutsche Geschichte zu werfen. Zum Glück hatte er sich für Theodor Heuss entscheiden. Mit dem Bild vom „gemütlichen alten Herrn mit der Zigarre“ räumte Schrenk nicht komplett auf, sondern integrierte es in eine Heuss-Sicht, die auch dessen politische Erfolge würdigte. Das Verdienst, dem deutschen Volk nach der Weimarer Republik erstmals eine Identität gegeben zu haben, schrieb er dem ersten Bundespräsidenten zu – und den Weitblick, von einem nationalen Demokratieverständnis auf die Vision eines demokratischen Europa geschlossen zu haben. Lebhaft mit Ton-, Bild- und sogar Filmzitaten unterlegt, zeichnete der Historiker Schrenk ein sehr menschliches Heuss-Bild. Es unterschlug weder dessen schwäbischen Zungenschlag noch seine Schwäche für den Württemberger Wein und belegte berührend Heuss’ tiefe Verbundenheit mit seiner Frau Elly Heuss-Knapp. „Kurzweilig“, „da konnte man sich vieles merken“ urteilten die Schüler. Dass sie aus Schrenks Beispiel Impulse für eigene Präsentationen geschichtlicher Themen mitnehmen, hofft Schulleiter Wacker.

Samstag, 17.05.2008
Qualitätsgemeinschaft