Vom Rio de la Plata an den Neckar
Deutsch lernen
So schnell, wie sie spanisch spricht, legt Bélen González auch auf englisch los. Die deutsche Sprache geht ihr noch nicht so leicht über die Lippen. Das lernt die Studentin aus Uruguay gerade erst. Einfachen Gesprächssituationen kann sie nach vier Monaten in Heilbronn schon folgen.
Gute Verbindung zur Hochschule
Die impulsive 23-Jährige ist bereits die zweite Stipendiatin aus Montevideo, die das Kolping-Bildungszentrum Heilbronn fördert. International Business and Cultural Studies hat sie an der Hochschule Heilbronn belegt. Ihr Mentor, Prof. Antonio Juárez Medina, pflegt den Kontakt zum Bildungszentrum in der Bahnhofstraße und hat Belén dort vorgestellt.
Tutorium
An der Kolping-Fremdsprachenschule fungiert sie als Tutorin. So trifft sie zum Beispiel zweimal die Woche trifft Spanisch-Schüler/-innen, die Konversation üben und Themen nach- oder Referate vorbereiten müssen. So wie Andy Scheer oder Dimitrios Hatzitassiu, die einen Vortrag vorbereiten. Hier fehlt den Schülern das passende Wort, dort ist die Aussprache unklar oder die Grammatik stimmt nicht. Belén macht Vorschläge, gestikuliert, erklärt, bietet Formulierungsalternativen an. Ein intensiver Unterricht, von dem die künftigen Europasekretäre profitieren.
Kennenlernen
Belén González lebt im Studentenwohnheim und lernt mindestens so viele ausländische wie deutsche Studenten kennen. Viele nur oberflächlich, bedauert sie, „die meisten Deutschen fahren an den Wochenenden heim“. Langeweile hat die temperamentvolle Südamerikanerin deshalb nicht. Sie ist schließlich auch hier, um Europa kennenzulernen. Wer aus einer 1,3-Millionen-Stadt kommt, braucht ab und an andere Herausforderungen, lacht sie und erzählt, dass sie unbedingt Berlin sehen muss, Barcelona hat ihr gefallen, Paris fand sie „gemütlich“. Was sie bisher vergeblich sucht, ist das leidenschaftliche Engagement junger Europäer für politische oder soziale Projekte. Hier sieht sie einen Hauptunterschied zu ihrer Heimat, in der Politik auch im Alltag eine wichtige Rolle spielt.
Landeskunde
Wie alle Studenten muss die quirlige künftige Business-Frau jetzt ihr Auslandssemester zuende bringen: Präsentationen und Abgabeterminen für schriftliche Arbeitenstehen an. Belén schreibt an einer landeskundlichen Betrachtung über ihre Heimat aus politischer und literarischer Sicht. Einfach nur Fakten herunterzubeten, wäre ihr viel zu langweilig.
In Madrid: Mit der fremden Sprache leben
Premiere
Acht Schülerinnen, zwei Lehrerinnen, drei Wochen Madrid: Den nüchternen Eckdaten einer Studienreise sieht niemand an, dass sie besonders war – eine Premiere. Denn erstmals haben das Kolping-Bildungswerk und seine Europa-Experten erreicht, dass sie neben dem Studienfahrten-Ziel London nun auch einen Madrid-Aufenthalt anbieten können und dass über das europäische Austauschprogramm Leonardo da Vinci Zuschüsse fließen.
Kooperation
Außerdem verreiste erstmals eine gemischte Kolping-Gruppe: Je acht Schülerinnen der Fremdsprachenschule in Heilbronn und der Vorbeck-Schule in Gengenbach haben zusammengefunden und sich als Team bewährt: „Die Schülerinnen haben gut harmoniert“, findet Vorbeck-Schulleiterin Christine Jonientz-Brauner, die die Kooperation im nächsten Jahr fortführen will. Darin ist sie sich mit Helena Strümann, Fremdsprachenschulleiterin in Heilbronn einig. Als Initiatorin der Studienreisen, die auch mit dem Ziel London angeboten werden, strebt sie künftig schon im Vorfeld eine engere Zusammenarbeit an. Beide Schulleiterinnen freuen sich, dass für die nächsten drei Jahre die Zuschüsse für den Austausch gesichert sind.
Foro Economía
Das Foro de Economíia hat sich als exzellente Partnerschule erwiesen. Der Kontakt zu der Bildungseinrichtung entstand über die Beziehungen des Kolping-Bildungswerks in die Deutsche Handelskammer in Madrid. Ihren theoretischen Unterricht erhielten die Kolping-Teilnehmerinnen im Wirtschafts-Forum im Herzen der Stadt. Kaufmännisches Spanisch, Kommunikation, Marketing, Präsentation, aber auch Landeskunde, Politik oder Wirtschaftsrecht füllten den dichten Stundenplan. „Die Unterrichtsinhalte, ausschließlich auf Spanisch vermittelt, waren dem Leistungsstand unserer Schülerinnen angemessen“, findet Lehrerin Patricia Neher, die die Schülerinnen schon bei den Reisevorbereitungen zusammen mit ihrer Heilbronner Kollegin Renate Mohn betreut hatte.
Angstfrei
Den Sprachgebrauch im Geschäftsleben übten die Schülerinnen unter anderem in Rollenspielen oder in fingierten Gesprächen sowie bei Interviews, die sie vor Ort zu betriebswirtschaftlichen Aufgaben führten.„Ich habe vor allem die Angst vor dem Sprechen verloren“, sagt Fremdsprachenschülerin Maike Heidchen, „Beim Telefontraining blieb nicht viel Zeit zum Überlegen, wie man was am besten ausdrückt. So wird das auch im Berufsleben sein.“
Näher am Praktikum
Die deutsche Gruppe erlebte ausgefüllte Tage: Unterricht bis 14 Uhr, danach Exkursionen oder Firmenbesichtigungen, die weit mehr als das touristische Madrid abdeckten. In die Landessprache – und ihr Tempo – einhören konnten sich die künftigen Europasekretärinnen auch in ihren Gastfamilien. Der Familienanschluss in Privatunterkünften ermöglichten ihnen einen direkten Einblick in den Alltag und in die spanische Kultur. „Madrid war toll“, schwärmt nicht nur Sophie Braun. Vielen Mitschülerinnen geht es wie ihr: Sie können sich nach dem Spanien-Aufenthalt durchaus vorstellen, auch im Ausland zu arbeiten und ihre Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen.
Von wegen Langeweile und Kaffee kochen

- Juliane Dietrich: "Begeistert vom Beruf der Europasekretärin". Foto: Ahlborn/kbw

- Sabrina Sortino (li.) und Mona Siegele können sich gut vorstellen, in einem Unternehmen wie Würth zu arbeiten. Foto: Gast-Prior/kbw
Zum Diktat
Fonodiktate – so was gibt es noch: Sabrina Sortino kennt die Technik, über Kopfhörer Diktiertes niederzuschreiben, aus der Fremdsprachenschule im Kolping-Bildungszentrum Heilbronn. Praktiziert hat es die angehende Europasekretärin während eines dreiwöchigen Praktikums im Weltunternehmen
Würth in Künzelsau/ Gaisbach.
In der Konzernzentrale
Zusammen mit fünf weiteren Mitschülern nutzte sie die Kontakte, die Schulleiterin Helena Strümann in der Konzernzentrale geknüpft hatte: Gemeinsam mit Juliane Dietrich lernte Sortino das Sekretariat der Geschäftsleitung kennen, ihre Mitschüler Johannes Zeth und Julia Borst begleiteten ein Sonderprojekt im Marketing und Lena Yakota schnupperte im Sekretariat der Konzernleitung Chefetage-Luft.
Azubi-freundlich
Juliane Dietrich durfte, wie es auch für Würth-Azubis Pflicht ist, einen Außendienstler auf der so genannten Würth-Ralley begleiten. Seither weiß die 21-Jährige aus Wüstenrot, dass sie für diesen Job nicht geeignet wäre. Trotzdem sind sich die Fremdsprachenschüler einig: „Wir sind beeindruckt, was die alles für Azubis tun.“
Kommunikationsfreudig
Als positive Erfahrung nehmen sie mit, wie gut die Kommunikation im Unternehmen funktioniert. Gewundert und gefreut hat sich Mona Siegele, dass immer wieder auch ihre Meinung gefragt war. Kaffee kochen und langweilen: Das kommt im Rückblick der Praktikanten nicht vor. „Wir hatten jeden Tag Aufgaben“, sagt Sabrina Sortino, „und wenn man mal früher fertig war, gab es Übersetzungen zu fertigen“. Gelernt haben sie und ihre Mitschülerinnen, dass man sich in einem Unternehmen spezielle Softwarekenntnisse aneignen muss, aber auch, dass die Word- und Excel-Grundlagen aus der Schule praxistauglich sind.
Erfolge feiern
Ihr Englisch konnten die Praktikanten ständig anwenden, in Schriftform oder am Telefon. „Englisch ist einfach Standard“, stellten sie fest. Die Begeisterung über ein tolles Arbeitsklima und das Vertrauen eines Unternehmens in seine Mitarbeiter beeindruckte die Kolping-Gruppe: „Da werden Erfolge gefeiert“, gibt Mona Siegele ein Beispiel, wie Motivation entsteht.
Kompliment
Erfolg bestätigte auch Ausbildungsleiter Thomas Wagner dem Fremdsprachen-Team aus Heilbronn: Ein „dickes Lob und Kompliment“ sprach er ihnen in seiner Beurteilung aus. Die Vorbereitung aufs Praktikum hatte Wagner selbst in die Hand genommen: Bei einem Schulbesuch in Heilbronn machte er sich schon vorab ein Bild von den Interessenten.
Europa zu Gast in Heilbronn
In der Hauptrolle: Kunst
Fünf Tage lang war die Fremdsprachenschule des Kolping-Bildungszentrums in der Bahnhofstraße Treffpunkt für 14 Vertreter aus Bildungseinrichtungen in Norwegen und Spanien, Litauen und der Türkei. Heilbronns Kulturbürgermeister Harry Mergel hieß die Gäste des Bildungszentrums in der guten Stube der Stadt willkommen: Kunst und Literatur seien in der Käthchenstadt zuhause, erklärte er mit Verweis auf „Kathy of Heilbronn“ und stellte den Besuchern die Käthchenstadt vor. „Art and literature“ spielten während des Studienaufenthalts im Rahmen des Grundtvig-Projekts
„Artistic Activities in Learning Languages“ eine Hauptrolle.
Kreativ im Unterricht
Das Projekt wird aus Mitteln des Europa-Programms für lebenslanges Lernen gefördert. Die Lernpartnerschaft ist auf zwei Jahre angelegt und sieht Treffen in allen fünf Teilnehmer-Ländern vor. Ihr Ziel: unterschiedliche kreative Techniken in den Fremdsprachenunterricht einfließen zu lassen und neue didaktische Methoden zur Sprachenvermittlung zu finden.
Die Angst nehmen
Das Projekt des jeweiligen Gastgeberlandes steht im Mittelpunkt jedes Treffens. Die Kolping-Fremdsprachenschule arbeitet seit dem vergangenen Schuljahr mit der New Yorker Schauspielerin Sybil Lines, die Lernenden mit praktischen Übungen aus der Schauspielerei die Angst nimmt, sich in einer fremden Sprache zu artikulieren. „Es gelingt den Schülern, in eine andere Haut zu schlüpfen“, berichteten Sybil Lines und Diplom-Sprecherzieher Florian Ahlborn im Plenum von ihrer Arbeit mit verschiedenen Klassen.
Den Blickwinkel ändern
In der Workshop-Runde, die Sybil Lines mit ansteckendem Elan leitete, wurden Lehrer zu Lernenden, die die Methode erprobten: Anhand von Shakespeare-Texten drücken die Teilnehmer Emotionen aus, die Wort-Bedeutung ist zunächst zweitrangig. „Die Kunst hilft uns, einen anderen Blickwinkel einzunehmen“, erklärte Lines. Dies sei die beste Voraussetzung, um sich in einer Gruppe sicher zu fühlen - und zu sprechen.
Lernen darf Spaß machen
Die Botschaft „Lernen darf Spaß machen“ brachten auch die ausländischen Teilnehmer mit. Für die norwegische Gruppe referierten Torger Tvedten und Marit Tjessem. Sie unterrichten Immigranten aus aller Welt in Norwegisch als Fremdsprache und nutzen unter anderem das gemeinsame Singen als Mittel des Spracherwerbs. Die litauische Pädagogin Jurgita Baniene bringt zusammen mit ihrer Kunst-Kollegin Ruta Pelegrimiene Erwachsenen aus unterschiedlichen Berufen beim Erarbeiten bildhauerischer Fertigkeiten Englisch bei. Für die spanische Delegation erklärte Manuel Fernández, wie die Schüler am Zentrum für Erwachsenenbildung in Oviedo englischsprachige
Internet-Präsentationen erarbeiten. Die türkischen Teilnehmer führen alle Workshop-Ergebnisse auf einer Internet-Seite zusammen.
Atmosphärisch gut
Bei so viel didaktischer Kost hatte die bunt gemischte Besuchergruppe auch schwäbische Kultur und Spezialitäten kennengelernt und genossen. In Stuttgart lernten sie bei einem kurzweiligen Vortrag im Haus der Geschichte viel über den Wirtschaftstandort Baden-Württemberg. Den Stadtrundgang durch Heilbronn begleiteten Kolping-Fremdsprachenschüler – eine praktische Englisch-Übung, die allen Spaß machte.
Mit Literatur lernen
Sprachen lernen heißt immer auch, etwas über das Leben zu lernen. Mit diesem Anspruch unterrichtet die Heilbronner Pädagogin Ursula Grandi englische Literatur. Beim transnationalen Treffen im Kolping-Bildungszentrum gab sie den Teilnehmern Anregungen für moderne englischsprachige Literatur im Sprachunterricht. Was emotional berührt, regt zur Auseinandersetzung mit Lebensfragen an, so Grandis These. Ihr Film-Tipp für den Unterricht: „Ae fond Kiss“ von Ken Loach. kbw
Info: Auch Ingrid Weiß vom Heilbronner Bildungszentrum ist europäisch unterwegs: Den Bildungabedarf von Menschen über 50 ermittelt das Projekt NewGen50+:
Weiß war in Finnland.
Das Kolping-Bildungswerk Württemberg e. V. koordiniert Partnerschaften in vielen weiteren
Europaprojekten
The Kolping Tea Party
Stilecht
Was rosa Organzatischdecken, Blümchen-Serviertten, Sandwich-Buffet und Earl-Grey-Duft nicht aus einem nüchternen Klassenzimmer machen können. Sogar SchülerInnen und Lehrerinnen der Klasse FWK 1, die selbst diese Verwandlung gezaubert hatten, waren zufrieden mit dem Ergebnis ihrer gemütlichen Info-Veranstaltung „It’s Tea Time“.
Landeskunde hautnah
Eine englische Tee-Zeremonie bildete den Rahmen für eine Präsentation, bei der Schülerinnen anhand unterschiedlicher Themen referierten, was sie bei ihrem Studienaufenthalt in London erarbeitet haben. Kurzweilig empfanden die Gäste aus Schul- und Institutsleitung und Verwaltung des Bildungszentrums sowie die daheimgebliebenen MitschülerInnen das Themenspektrum: Den Tourismus als Haupteinnahmequelle Londons beleuchtete Eleni Anastassos. Nathaly Belz hatte sich über Theorie und Auswirkungen von Motivation Gedanken gemacht und Bianca Bernett stellte das Natural History Museum als modernen Lernort und ein Muss für London-Besucher vor.
Lernpartner
Alle neun SchülerInnen, die den Professional Development Course des European College of Business and Mangement (ECBM) besucht hatten, schlossen ihren dreiwöchigen Studienaufenthalt mit einer Abschlussarbeit ab. Sehr effektiv finden nicht nur die begleitenden Lehrerinnen, Diana Dürr-Fingerhuth und Barbara Pröll, den Wechsel zwischen theoretischem Unterricht, Landeskunde und Exkursionen beim Kolping-Bildungspartner in der britischen Hauptstadt.
Hinter der Fassade
„Zum Beispiel der Besuch in den Docklands, den Hafenanlagen an der Themse, ist total Touristen-unüblich“, nennt Verena Lasar ein Beispiel, warum ihr der London-Aufenthalt gefallen hat. In den Kursen habe man viel über die Stadt und die Wirtschaft in Großbritannien gelernt, in den Gastfamilien ging es darum, sich in der Fremdsprache zunehmend sicher zu fühlen. Eine von SchülerInnen gefertigte Fotomontage hält viele Eindrücke fest.
Nachhaltig
Ihr Fachwissen in Sachen Tee perfektionierten die SchülerInnen allerdings auch erst bei der Teatime im heimischen Klassenzimmer: Von Barbara Pröll lernten sie, wie das typische Teegebäck Scones hergestellt wird, warum der Nachmittagstee am Couchtisch low tea und der Abendbrottee aum Esstisch high tea heißt oder dass die Dame des Hauses in früheren Zeiten den Schlüssel zur Teekiste bewachte. „Etwas Nachhaltiges“ hatte sich Ilona Bräuninger, Leiterin des Bildungszentrums, vom London-Aufenthalt gewünscht. Das Fazit nach Truthahn-Schnittchen und clotted-cream-Keksen war eindeutig: Die SchülerInnen haben nicht nur ihre Englisch-Kenntnisse und ihr Kulturwissen über den Inselstaat verbessert, sondern auch bleibende Erinnerungen mitgebracht – und zu Teil den Wunsch, bald zu einem Auslandspraktikum aufzubrechen.
Info: Die Auslandsaufenthalte, die die Fremdsprachenschule ihren SchülerInnen anbietet, werden gefördert durch das europäische Programm Leonardo da Vinci Mobilität. Im Mai wurde das Angebot des Heilbronner Bildungszentrums zertifiziert. Damit sind Fördermittel bis 2013 gesichert.
Bachelor-Info aus erster Hand
Richard Bills erklärte auf sympathische Art so lange, bis jede und jeder „happy“ ist: Auf Englisch stellte der Direktor des European College of Business and Management (ECBM), London, den Aufbaustudiengang zum Bachelor of Arts (Hons) in Business and Management vor.
Kooperation
Das Studium steht zum Beispiel EuropasekretärInnen aus den Kolping-Fremdsprachenschulen offen. Das Kolping-Bildungswerk kooperiert mit dem ECBM. Seit den 80er Jahren ist das College Ausbildungspartner für deutsche Großunternehmen, Banken sowie Industrie- und Handelskammern.
University of Wales
Gerne ist Richard Bills in diesem Frühjahr wieder persönlich nach Heilbronn gekommen, wo er vor drei Jahren das Aufbaustudium einführte. Über 60 Absolventen haben seither den Bachelor-Abschluss erworben. Unterrichtet und geprüft wird nach den Regeln der University of Wales in Newport, die die Standards für den Bachelor-Studiengang am ECBM festlegt und kontrolliert. Interviews mit den BewerberInnen geben im Vorfeld ein Bild über deren Eignung. Die Universität von Wales erkennt die Kolping-Fremdsprachenausbildung an: „Wir schätzen die hohe Qualifikation, mit der deutsche Bildungseinrichtungen ihre Absolventen entlassen“, sagt Bills, seit vielen Jahren ein Kenner des deutschen Bildungssystems. Es biete eine solide Grundlage für den verkürzten Aufbaustudiengang.
Präsenzunterricht
Unterrichtsort für das 16-monatige, berufsbegleitende Bachelor-Studium ist aufgrund der günstigen Verkehrslage Stuttgart. Dozenten des ECBM erteilen dort in englischer Sprache den Wochenend-Präsenzunterricht. Finanz-Management, Marketing, Business-Planung oder Management-Strategien stehen auf dem modularen Stundenplan. Gelernt wird mit Unterstützung des Internet, wo den Studenten eine online-Bücherei und eine Kommunikationsplattform zur Verfügung stehen.
Wirtschaftswissen
Fragen zu Prüfungsterminen und Unterrichtsmodulen beantwortete Bills in Heilbronn. Für Damaris Böttger aus Künzelsau hat das Studium den besonderen Reiz, dass sie ihren Sprachkenntnissen ein vertieftes Wirtschaftswissen hinzufügen könnte. „Ich bin ernsthaft interessiert“, sagte die 23-Jährige. Gut informiert kam auch Ines Pitthan aus Weinheim zum Infoabend nach Heilbronn – „weil ich das Bachelor-Programm der ECBM am interessantesten fand“, sagt die Fremdsprachensekretärin, die sich derzeit betriebswirtschaftlich fortbildet.
Wir müssen uns nicht verstecken
Alle haben etwas zu bieten
Zwei Tage lang haben sich SchülerInnen der Fremdsprachenschule im Kolping-Bildungszentrum Heilbronn damit beschäftigt, wie sie im kommenden Herbst das unbekannte Gelände „Arbeitsmarkt“ erobern werden. An den Seminartagen in der Bahnhofstraße gab Trainer Thommy Engel den künftigen EuropasekretärInnen Tipps und Ideen, wie sie die scheinbar hohe Hürde zum ersten Job nehmen. Er machte ihnen Mut, Fähigkeiten, die sie in Vereinsarbeit, Ehrenamt oder Ferienjob erwerben, zu benennen. Eine wichtige Erkenntnis nimmt Verena Grothe aus dem Bewerbungs-Coaching mit: „Wir waren überrascht, dass wir alle etwas zu bieten haben“.
Stärken und Schwächen
„Bewerbungsunterlagen zusammenstellen kann man überall lernen“, erklärt Engel, der als freier Organisationsentwickler unter anderem für die Automobilindustrie arbeitet. In der Fremdsprachenschule machte er die jungen Leute damit vertraut, was potenzielle Arbeitgeber über sie wissen wollen. „Es sagt sogar etwas über dich, wenn du schon lange im Chor singst“, gibt Isabelle Fleisz ein Beispiel, dass beim Erstellen des eigenen Stärken-Schwächen-Profils alles zählt.
Selbstbewusstsein lernen
Im Praktikum beim Zahnarzt hatte sie Spaß daran, mit Patienten umzugehen, sagt Grothe: „Ich darf also behaupten, ich bin kontaktfreudig“. Wie man im Vorstellungsgespräch oder im Assessment Center über sich redet oder sich auf Gespräche in der Gruppe vorbereitet, haben die SchülerInnen im Rollenspiel geübt. Obwohl er ihnen ein auffällig gutes Bildungsniveau bescheinigt, machte Thommy Engel zu Anfang bei vielen eine große Unsicherheit aus. Daran hat er mit der Klasse gearbeitet. „Das war nützlich und hilfreich“, findet Maike Heidchen. Sie hat viel gelernt über das richtige Maß beim Anpreisen der eigenen Stärken und beim Bekennen von Schwächen. Dass die Arbeitswelt aus Menschen besteht und man diesen auch einmal mit Humor begegnen darf, hat Engel den jungen Leuten vermittelt. „Wir müssen uns nicht verstecken“, ziehen die drei Mädels ihr persönliches Fazit. Und lächeln selbstbewusst.




































