Nachholbedarf bei Führungskräften

 

Organisations- und Kostenzusammenhänge durchschauen, Strukturen verstehen, Entscheidungen treffen. Soziale Einrichtungen sind auf solche Kompetenzen bei ihren Mitarbeitern umso mehr angewiesen, je mehr die Träger gezwungen sind, sparsam zu wirtschaften. Auf 50 bis 70 Prozent beziffert Prof. Dr. Andreas J. Goldschmidt im Fachblatt „Die Gesundheitswirtschaft“ den Weiterbildungsbedarf allein auf der zweiten Managementebene, also bei Abteilungs- und Pflegedienstleitungen, Stabsstellen oder Prozessverantwortlichen. Managementkompetenz müsse sich nicht nur "auf universitärem Niveau bewegen", findet der Fachmann, sondern in Deutschland böten sich "berufsbegleitende, weiterbildende Pflegemanagement- und andere Studiengänge im Anschluss an die Pflegeausbildung und einige Jahre Berufserfahrung an".

Für Leitungsaufgaben qualifizieren sich im Heilbronner Kolping-Bildungszentrum Pflegekräfte, die neben der Fachkompetenz, etwa als Krankenschwester, Verwaltungs- und betriebswirtschaftliches Wissen brauchen. Pflegedienstleiterin im neuen Alten- und Pflegeheim der Stiftung Lichtenstern in Wilsbach zu werden, hätte sich die Obersulmerin Silke Raßmann noch vor zwei Jahren nicht träumen lassen: „Ohne meinen Sozialwirt könnte ich das nicht“, stellt sie klar.

Ihre Kenntnisse über Arbeitszeitmodelle oder darüber, wie Mitarbeiter- und Patientengespräche zu führen sind, braucht sie täglich. Neben solchen Aufgaben bereitet die dreijährige berufsbegleitende Ausbildung im Kolping-Bildungszentrum auch auf moderne betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in Buchführung, Kostenrechnung oder Controlling vor. Recht steht auf dem modularen Stundenplan, Volkswirtschaftslehre, EDV oder Marketing-Spezialitäten wie Imagebildung und Fundraising. Der Lehrgang kann durch Meister-BaföG gefördert werden.

Mancher Arbeitgeber erstattet aber auch die Kosten. So hat die Evangelische Heimstiftung Haus am Staufenberg in Heilbronn Bernd Mangold-Freyer die Weiterbildung ermöglicht. Der Pflegedienstleiter bereut nicht, drei Jahre lang verkürzte Wochenenden und Zusatzarbeit in Kauf genommen zu haben: „Vor allem Personalwesen war für mich ein gewinnbringendes Fach“, sagt er, „da habe ich viel über verschiedene Führungsstile oder Stellenbeschreibungen gelernt, das nützt mir sehr“.

Info: Der nächste Weiterbildungslehrgang zum/r staatlich anerkannten Sozialwirt/-in am Kolping-Bildungszentrum beginnt immer im Herbst. Die Termine für unsere Imnformationsveranstaltungen finden Sie rechtzeitig auf dieser Homepage und in der Lokalpresse. Oder Sie richten Ihre Fragen direkt an  Ingrid Weiß: 07131-88864-19

Ehrgeizige Sozialwirte schmieden Zukunftspläne

Familiär...
...ging es bei der Abschlussfeier der Sozialwirte zu.
Sinnsprüche als Abschiedsgeschenk
und viele Zukuftspläne...




Zu „sehr, sehr guten Ergebnissen“ gratulierte Schulleiterin Ingrid Weiß den 14 Absolventinnen und Absolventen der dreijährigen berufsbegleitenden Ausbildung zum/r SozialwirtIn am Kolping-Bildungszentrum: „Sie haben sich drei Jahre lang selbst motiviert und bis zur Prüfung gute Leistungen bewiesen“ lobte sie den Kurs, ohne ihren Stolz auf die Gruppe zu verhehlen.

In der Zeit, in der  die Wochenenden der Ausbildung statt der Familie gewidmet waren, seien dem Kurs drei Männer „abhanden gekommen“, die standhaften Teilnehmer hätten bei Hochzeiten, Scheidungen, Geburten, Todesfällen, Hausbränden, oder Heimweh viele Wechselfälle des Lebens gemeinsam durchgestanden. Freude und Erleichterung gönnte ihnen Weiß bei der Abschlussfeier in der Aula des Kolping-Bildungszentrums. Als kulturellen Beitrag steuerte sie das Kapitel „Der letzte Schultag“ aus dem Kinderbuch „Der kleine Nick“ bei.

Nicks Sichtweise beschwor nicht nur Schmunzeln, sondern auch das Quäntchen Wehmut herauf, das den Abschied nach der Ausbildung immer begleitet. Dass eine homogene Gruppe von Menschen verschiedener Herkunft und Alters gut zusammengewachsen war, belegten die warmen Abschiedsworte, die Bernd Mangold im Namen aller an die Lehrer, Ingrid Weiß selbst und Schulsekretärin Annorte Zywietz richtete. Wein für die Dozenten, Lebensweisheiten und ein Foto-Album, das die gemeinsame Zeit dokumentierte, für die SchülerInnen gab es als Abschiedsgruß. Bevor die Rührung ausufern konnte, bat Weiß zum gemeinsamen Abschiedsessen aus dem ein vergnüglicher Abend voller Zukunftspläne wurde.


„Die Stiftungsleitung, der Architekt und ich“

Ansteckend gut gelaunt: Sozialwirtin Silke Raßmann. (Foto: stm)

An der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Praxis ist das Fachwissen von Sozialwirten gefragt

Silke Raßmann sprüht vor Unternehmungslust. Auch wenn sie zur Arbeit geht. Die 39-Jährige hat ihr Abschlusszeugnis als staatlich anerkannte Sozialwirtin vom Kolping-Bildungszentrum in der Tasche und ist mit ihrem aktuellen betriebswirtschaftlichen Fachwissen gefragt. Keine Rede mehr davon, dass sie vor drei Jahren befürchtet hatte, ihr Berufsleben sei zuende.

Ein Berufsunfall hatte die gelernte Krankenschwester damals schachmatt gesetzt. Nach der monatelangen Rehabilitation nach einer Beinverletzung war die Rückkehr in den alten Beruf unmöglich, eine Vollzeitbeschäftigung ebenfalls. Schließlich war die Obersulmerin auch Mutter von zwei kleinen Kindern. Als Dozentin für Pflegeberufe fasste Silke Raßmann wieder Fuß. „Da hab ich eine Zeitungsannonce gesehen“: Zu ihrer Lebenssituation und Vorbildung passte die Idee, Sozialwirtin zu werden, ausgezeichnet. Drei Jahre nutzte sie die Wochenenden, um sich weiterzubilden. Der praxisbezogene Präsenzunterricht im Heilbronner Kolping-Bildungszentrum kam ihr entgegen.

Nach und nach erhellten sich der Krankenschwester strukturelle Zusammenhänge in Kranken- und Pflegeeinrichtungen, die ihr bislang undurchschaubar gewesen waren. Und dann kam, lange vor dem Abschluss des betriebswirtschaftlichen Studiums, das für Leitungsaufgaben im Sozialbereich qualifiziert, das Angebot, das Raßmanns restliche Skepsis zerstreute. Im Januar 2006 übernahm sie die Stelle der Pflegedienstleitung in der Stiftung Lichtenstern in Löwenstein. Quasi hineingewachsen ist sie in die Herausforderung, dort die Konzeption für ein neues Alten- und Pflegeheim umzusetzen, im Januar 2007 eröffnet werden und 64 Bewohnern ein neues Zuhause werden soll.

„Der Stiftungsleiter, der Architekt und ich“, fasst sie zusammen, planen die Ausstattung der neuen Räume – funktional, aber auch personell. Ob Pflege, Hauswirtschaft oder Technik: die Entscheidungen, wer künftig welche Aufgaben erfüllt und die Überlegungen, welche räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, beschäftigen die Fachkraft rund um die Uhr. „Das geht weit über die Aufgaben der PDL hinaus“, sagt Raßmann. Trotzdem ist sie in ihrem Element, wenn sie von Absprachen mit Handwerkern,  dem Umgang mit Reklamationen oder dem Jonglageakt erzählt, wie notwendige Arbeiten mit dem Finanzbudget in Einklang gebracht werden müssen. „Ohne meinen Sozialwirt könnte ich das nicht“, stellt sie klar: „Fachliche Kompetenz aus der Pflege und Verwaltungswissen sind gleichermaßen nötig“.

Wertvoll ist Raßmann ihr neues Wissen aus dem Personalwesen über Arbeitszeitmodelle oder die Fähigkeit, Mitarbeitergespräche zu leiten. Alle Fäden zusammenzuführen, damit ab Januar ein funktionierender Heimbetrieb möglich ist, motiviert sie. Die Angst, aufgrund ihres Unfalls nicht mehr im sozialen Bereich zum Wohle der Menschen arbeiten zu können, war früher.

Freitag, 4.07.2008
Qualitätsgemeinschaft