"Kein Kind muss an Mathe scheitern"

Anja (8) kann nicht rechnen. Nur mithilfe ihrer Finger bekommt sie ein Ergebnis. Aber das verbietet ihr die Lehrerin. Der Zahlenraum wird  größer und die Finger reichen nicht mehr aus. Also verlegt sich das Mädchen aufs Raten oder entwickelt eigene Strategien. Das klappt nicht immer. Nachhilfe und ständiges Üben fruchten nicht. „Ich bin halt doof“, ist Anja überzeugt. Mathe-Hausaufgaben sind eine Tortur – für Kind und Eltern.
Aber neuerdings beginnt Anja sich mit dem Rechenraum bis Zehn anzufreunden. Der Weg ins mathematische Denkgebäude führt über die Wasserglasmethode®. „ Kein Kind muss an Mathe scheitern“, sagt die Rechentherapeutin Silvia Egenberger. In ihrer Rechentherapie - Praxis Leuchtturm in Buchen-Götzingen hilft die Sozialwirtin Kindern wie Anja, sich im Zahlenraum zurechtzufinden und neues Selbstvertrauen zu fassen.
„Kinder mit Rechenschwäche haben keine Mengenvorstellungen“, erläutert Egenberger das Problem. Auch wenn die Jungen und Mädchen beispielsweise richtig „rechnen“ 3 + 5 = 8, so schreiben sie auf: 8 + 3 = 5. Zahlendreher (52 statt 25) oder der Zehnerübergang (15 + 4 = 45) sind häufige Fehlerquellen. Logische Schlussfolgerungen fallen dem Kind nicht auf.
Im „Leuchtturm“ rechnet man nicht mit den Fingern. Die Zahlen von 1 bis 10 werden durch die Füllhöhe von farbigem Wasser in zehn Gläsern dargestellt - ohne Markierung oder Einteilung. Im randvollen Glas sind zehn Schlucke drin. Das ist die Zahl 10. Das Kind schätzt zunächst durch die Füllhöhe die restlichen Zahlen von 1 bis 9 ab und entdeckt später die 1 als mathematischen „Zauberschluck“. Da alle Schlucke gleich groß sind, kann das Kind nun alle anderen Zahlen exakt herstellen. „Das Schütten mit farbigem Wasser führt zu einem intuitiven Mengenverständnis“, erläutert  Silvia Egenberger.
Und Spaß macht das Schütten auch! Obwohl der Anfang schwierig war. Weil Anja ruckartig geschüttet hat, ging anfangs viel daneben. Inzwischen hat die Achtjährige geübt und ist fix im Auffinden der „besten Freunde“ in den beiden Gläsern, die zusammen ein volles Glas, also 10, ergeben: 3 und 7, 4 und 6, oder die „Zwillinge“, die beiden Fünfen. Auch die Kontrolle funktioniert: Wenn die Zahl größer ist als 10, läuft das Glas über. Und die Null – ein leeres Glas!
Der Therapie geht eine kostenlose Rechenbeobachtung voraus, in der auch die frühkindliche Entwicklung und motorische Auffälligkeiten erörtert werden. Silvia Egenberger plädiert für ein Netzwerk zwischen Elternhaus, Kindergarten und Grundschule. Sie ist vom Erfolg ihrer Methode überzeugt: "Nach zehnjähriger Erfahrung, gestützt auf diagnostische Untersuchungen und Retest, kann Diplompsychologin Angelika Schlotmann belegen, dass tatsächlich schwerste Rechenstörungen mit der Wasserglasmethode® behoben werden konnten.“ Allerdings seien auch Einfühlungsvermögen und Empathie die Voraussetzung bei jeder Beratung:„So individuell wie die Kinder ist auch die Therapie.“
Info:Die Wasserglasmethode® nach Diplom- Psychologin Angelika Schlotmann ist geschützt und kann nur in Lizenz angewendet werden.
Kontakt: http://www.rechentherapie-leuchtturm.de


„Die Stiftungsleitung, der Architekt und ich“

Ansteckend gut gelaunt: Sozialwirtin Silke Raßmann. (Foto: stm)

An der Schnittstelle zwischen Verwaltung und Praxis ist das Fachwissen von Sozialwirten gefragt

Silke Raßmann sprüht vor Unternehmungslust. Auch wenn sie zur Arbeit geht. Die 39-Jährige hat ihr Abschlusszeugnis als staatlich anerkannte Sozialwirtin vom Kolping-Bildungszentrum in der Tasche und ist mit ihrem aktuellen betriebswirtschaftlichen Fachwissen gefragt. Keine Rede mehr davon, dass sie vor ihrer Weiterbildung befürchtet hatte, ihr Berufsleben sei zuende.
Ein Berufsunfall hatte die gelernte Krankenschwester damals schachmatt gesetzt. Nach der monatelangen Rehabilitation nach einer Beinverletzung war die Rückkehr in den alten Beruf unmöglich, schon gar nicht in Vollzeit. Schließlich war die Obersulmerin auch Mutter von zwei kleinen Kindern. Als Dozentin für Pflegeberufe fasste Silke Raßmann wieder Fuß. „Da hab ich eine Zeitungsannonce gesehen“: Zu ihrer Lebenssituation und Vorbildung passte die Idee, Sozialwirtin zu werden. Drei Jahre nutzte sie die Wochenenden, um sich weiterzubilden. Der praxisbezogene Präsenzunterricht im Heilbronner Kolping-Bildungszentrum kam ihr entgegen.
Strukturelle Zusammenhänge in Kranken- und Pflegeeinrichtungen wurden nach und nach durchschaubar. Und dann kam, lange vor dem Abschluss des betriebswirtschaftlichen Studiums, das Angebot, das Raßmanns restliche Skepsis zerstreute. Sie übernahm die Stelle der Pflegedienstleitung in der Stiftung Lichtenstern in Löwenstein. Ihre Aufgabe: Die Konzeption für ein neues Alten- und Pflegeheim für 64 Bewohner umsetzen.
„Der Stiftungsleiter, der Architekt und ich“, fasst sie zusammen, planten die Ausstattung neuer Räume – funktional, aber auch personell. Ob Pflege, Hauswirtschaft oder Technik: die Entscheidungen, wer künftig welche Aufgaben erfüllt und die Überlegungen, welche räumlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, beschäftigten die Fachkraft rund um die Uhr. „Das ging weit über die Aufgaben der PDL hinaus“, sagt Raßmann. Wenn es um Absprachen mit Handwerkern,  dem Umgang mit Reklamationen oder dem Jonglageakt ging, notwendige Arbeiten mit dem Finanzbudget in Einklang zu bringen, war sie in ihrem Element. „Ohne meinen Sozialwirt wäre das nicht möglich gewesen", stellt sie klar: Wertvoll wardas Wissen aus dem Personalwesen über Arbeitszeitmodelle oder die Fähigkeit, Mitarbeitergespräche zu leiten.


Gemeinsam ethisch handeln

Referent Prof. Dr. Klaus Koziol
Zu Gast im KBZ: Prof. Dr. Klaus Koziol...
Gäste beim 3. Sozialwirte-Forum des Kolping-Bildungszentrums Heilbronn
... und seine Zuhörer/-innen und...
Für die Absolventinnen im Sozialwirte-Lehrgang war Koziols Vortrag eine Fortbildung
Diskussionspartner.
Gesprächsrunde nach dem Vortrag
Veranstalterin Ingrid Weiß (rechts) im Gespräch mit Kursteilnehmerinnen,
Gesprächsrunde nach dem Vortrag
mit externen Gästen und...
Sozialwirte-Kursleiterin Ingrid Weiß mit Prof. Dr. Klaus Koziol
dem Referenten. Fotos: Annette Gast-Prior, kbw

Das dritte Sozialwirteforum am Kolping-Bildungszentrum widmete sich der Frage: Wie können Wirtschaftsunternehmen und soziale Organisationen voneinander profitieren? Was muss getan werden um Corporate Social Responsibility (CSR) im Betrieb zu implementieren?
Den Zungenbrecher Corporate Social Responsibility benutzt selbst der Experte Klaus Koziol lieber in der Kurzform: CSR nennt es die Marketing-Fachwelt, wenn Unternehmen freiwillig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Kooperationen von Wirtschaftsunternehmen mit sozialen Institutionen werden zunehmend wichtig, glaubt man Klaus Koziol. Sein Vortrag regte eine spannende Diskussion an: Wie macht man verantwortliches unternehmerisches Handeln öffentlich und wie profitieren beide Partner davon: Wirtschaftsunternehmen und soziale Einrichtungen. Koziol bot eine für viele Akteure ungewohnte Perspektive an: Man müsse sich auf Augenhöhe begegnen, um gemeinsam Gewinner zu werden.
Diese Annäherung müsse vor allem auch im Selbstverständnis beider Seiten passieren. Non-Profit- oder, wie Koziol sie lieber nennt, „Not for Profit“- Organisationen müssten sich von der Vorstellung lösen, „Wir sind doch schon vom Auftrag her sozial“. „Das reicht nicht“, sagt der Wissenschaftler. Schließlich seien nicht nur produzierende oder Dienstleistungsbetriebe auf Gewinne angewiesen. Auch soziale Verbände oder Wohlfahrtsorganisationen müssen sich mit ihrer Finanzierung beschäftigen - umso mehr, je weniger öffentliche Gelder in deren Kassen fließen. Gemeinsame Projekte und gemeinsame Profilierung in der Öffentlichkeit nütze dem Image beider Seiten. So sei CSR beides: Marketing für soziale Einrichtungen und gleichzeitig Marketing von Unternehmen mit sozialem Anspruch.
Damit unternehmerisches Handeln dem Gemeinwohl dienen kann, müsse es aber nicht nur - mit dem gängigen Leitsatz „Tue Gutes und rede darüber“ – nach außen dargestellt werden. Unglaubwürdig werde ein Unternehmen, wenn es die Verantwortung für seine Mitarbeiter vernachlässige. Zum Beispiel vertrage sich Mitarbeiterbespitzelung nicht mit sozialem Engagement. CSR als „soziales Wirtschaften“ in Wirtschaft und Sozialsektor zu verbinden, könnte in Koziols Vision künftig in der Hand von Sense Managern liegen, einer Schlüsselstelle, die soziales, ethisches, nachhaltiges und solidarisches Engagement für einen guten Zweck zusammenführt.
Koziol weiß, dass sich manche Themen besser „verkaufen“ lassen, als andere. Zum Beispiel engagieren sich Unternehmen mit hohen Beträgen für (kranke) Kinder, kaum aber für Langzeitarbeitslose. Er setzt dennoch darauf, dass sich Sozialengagement in der Zusammenarbeit mit Wirtschaftsbetrieben verstetigt und die Akzeptanz steigt. „Ich bin unterwegs als Wanderprediger mit der Botschaft, Diese Welt ist keine Schande“.
mmerhin bedinge die soziale Marktwirtschaft ein Grundvertrauen der Menschen in die Gesellschaft, das in der Krise wertvoll werde. Simpler fasste es Wolfgang Bartole vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf Waldenburg in der Diskussion zusammen: „Ohne Wirtschaft würde es auch keine Sozialunternehmen geben“. Sozialmarketing, lernten Koziols Zuhörer, ist der Weg zu gemeinsamem ethischem Handeln.

Zur Person: Prof. Dr. Klaus Koziol ist Ordinariatsrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Leiter der Abteilung für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit und Gründer des Instituts für Social Marketing. Er hält deutschlandweit die in dieser Form erste Stiftungsprofessur für Social Marketing an der Katholischen Hochschule Freiburg für Sozialwesen.


Nachholbedarf bei Führungskräften

 

Organisations- und Kostenzusammenhänge durchschauen, Strukturen verstehen, Entscheidungen treffen. Soziale Einrichtungen sind auf solche Kompetenzen bei ihren Mitarbeitern umso mehr angewiesen, je mehr die Träger gezwungen sind, sparsam zu wirtschaften. Auf 50 bis 70 Prozent beziffert Prof. Dr. Andreas J. Goldschmidt im Fachblatt „Die Gesundheitswirtschaft“ den Weiterbildungsbedarf allein auf der zweiten Managementebene, also bei Abteilungs- und Pflegedienstleitungen, Stabsstellen oder Prozessverantwortlichen. Managementkompetenz müsse sich nicht nur "auf universitärem Niveau bewegen", findet der Fachmann, sondern in Deutschland böten sich "berufsbegleitende, weiterbildende Pflegemanagement- und andere Studiengänge im Anschluss an die Pflegeausbildung und einige Jahre Berufserfahrung an".

Für Leitungsaufgaben qualifizieren sich im Heilbronner Kolping-Bildungszentrum Pflegekräfte, die neben der Fachkompetenz, etwa als Krankenschwester, Verwaltungs- und betriebswirtschaftliches Wissen brauchen. Pflegedienstleiterin im neuen Alten- und Pflegeheim der Stiftung Lichtenstern in Wilsbach zu werden, hätte sich die Obersulmerin Silke Raßmann noch vor zwei Jahren nicht träumen lassen: „Ohne meinen Sozialwirt könnte ich das nicht“, stellt sie klar.

Ihre Kenntnisse über Arbeitszeitmodelle oder darüber, wie Mitarbeiter- und Patientengespräche zu führen sind, braucht sie täglich. Neben solchen Aufgaben bereitet die dreijährige berufsbegleitende Ausbildung im Kolping-Bildungszentrum auch auf moderne betriebswirtschaftliche Zusammenhänge in Buchführung, Kostenrechnung oder Controlling vor. Recht steht auf dem modularen Stundenplan, Volkswirtschaftslehre, EDV oder Marketing-Spezialitäten wie Imagebildung und Fundraising. Der Lehrgang kann durch Meister-BaföG gefördert werden.

Mancher Arbeitgeber erstattet aber auch die Kosten. So hat die Evangelische Heimstiftung Haus am Staufenberg in Heilbronn Bernd Mangold-Freyer die Weiterbildung ermöglicht. Der Pflegedienstleiter bereut nicht, drei Jahre lang verkürzte Wochenenden und Zusatzarbeit in Kauf genommen zu haben: „Vor allem Personalwesen war für mich ein gewinnbringendes Fach“, sagt er, „da habe ich viel über verschiedene Führungsstile oder Stellenbeschreibungen gelernt, das nützt mir sehr“.

Info: Der nächste Weiterbildungslehrgang zum/r staatlich anerkannten Sozialwirt/-in am Kolping-Bildungszentrum beginnt immer im Herbst. Die Termine für unsere Imnformationsveranstaltungen finden Sie rechtzeitig auf dieser Homepage und in der Lokalpresse. Oder Sie richten Ihre Fragen direkt an  Ingrid Weiß: 07131-88864-19

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Samstag, 31. Juli 2010
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