Die Formel für den Kreativ-Marathon heißt 2d+
Brüten in doppeltem Wortsinn war in der Schule für Gestaltung auf der Zielgeraden zum Schuljahresende angesagt: Auf der Flucht vor der Julihitze und aus technischen Gründen zog es die zweite Grafik-Design-Klasse und die erste Klasse der Foto- und Medientechnischen Assistenten in den Keller der Heilbronner Kultur-WerkStatt Zigarre, um ihr Intensivprojekt zum Thema „Lichtgestalten – Licht gestalten“ zu präsentieren. Unter dem Universaltitel 2d+ finden sich die Kreativen aus dem Hause Kolping jeden Sommer zu einer Projektarbeit zusammen, die zwei Tage dauert, zwei Disziplinen abdeckt und zwei Klassen zusammenbringt.
Spannend war nicht erst die Präsentation vor rund 100 Gästen. Das Thema selbst erfuhren die 46 Schüler/-innen erst, als früh um acht der Startschuss fiel. 36 Stunden später standen sie vor Publikum parat. Die beiden Dozenten Tim Krieger und Alexander Gaab hatten als Übung für den späteren Alltag eine Umsetzung des Themas Licht und Gestaltung vorgegeben. Da rauchten zunächst die Köpfe: Was kann man in einem Beitrag, der mindestens fünf Minuten dauern soll, auf einer improvisierten Bühne an Licht-Gestaltung präsentieren? Und wie?
Den Schul-Fundus an Hilfsmitteln von Farbe und Papier bis zum Beamer durften die Schüler nutzen, was sie sonst noch brauchten, mussten sie selbst besorgen. Außerdem den Raum vorbereiten, die Technik installieren, Probeläufe fahren, Musik, Bilder und Filme produzieren, zusammenstellen- und schneiden, Kostüme basteln, Moderationen und Storyboards schreiben, Aufwand, Vorgehen und Zeit planen, wie im richtigen Leben unter Termindruck.
Besonnen gingen die zukünftigen Grafik-Designerinnen Olena Zorina und Mareike Markheiser ans Werk und planten mit ihrer FMT-Kollegin Ella Friesen ein Schattenspiel, das bei wechselndem Licht Masken mal schön, mal hässlich erscheinen lassen sollte. Was herauskam, war eine Flash-Animation mit grafischen Elementen, projiziert auf eine Pappe-Figur frei nach Oskar Schlemmers triadischem Ballett. „Eine tolle Sache“, schwärmte Gaab.
Die philosophische Betrachtung, die die Präsentation gleich mitlieferte, beeindruckte auch Ilona Bräuninger, Leiterin des Bildungszentrums, die sich mit Vergnügen unter die Gäste gemischt hatte. Düster fiel die Umsetzung der Idee von Lena Mai, Fabian Rehder und Frederik Staub aus: Wie Umwelteinflüsse einen Fötus im Mutterleib schädigen und schließlich töten, zeigten sei in einer dramatischen Aufführung.
„Ein Tag im Licht“ hatte die Gruppe um Marina Wunderlich, Sarah Kober, Yasmin Säuberlich und Felicitas Berger hre Arbeit genannt und zeigten, welchen Licht-Eindrücken der Mensch täglich ausgesetzt ist – vom Sonnenaufgang bis zum künstlich beleuchteten Nachtleben. Open End und Happy End fielen in der Zigarre am Freitag Nacht zusammen. Eine Nachbearbeitung der Beiträge soll den Zwei-Tage-Zauber festhalten.
Die Villa zum Show Room gemacht
Trend-Thema Batik
„Es kommt auf den richtigen Dreh an“. Ellinor Scherb und Corinna Corbo haben längst raus, wie die Batik-Technik funtioniert und färben munter drauf los: T-Shirts, Tücher, Hosen und sogar Socken entstehen in der Textil-Werkstatt, die sonst ihr Klassenzimmer ist. Die Projekttage zum Schuljahresende bringen in der Schule für Gestaltung die Schülerinnen und Schüler aus den Berufskollegs Grafik Design und Foto- und Medientechnik in erstmals sieben Projektgruppen zusammen. Heraus kommen erstaunliche Ergebnisse: eine schwelgerische Vernissage, die das Unterrichtsjahr am letzten Schultag beendet.
Herausforderung für Kreaitve
Als könnte er zerbrechen, birgt Felicitas Berger einen Stein in Händen, dem sie menschliche Gestalt gibt. Der Heilbronner Bildhauer Karl Heinrich Lump arbeitet als Gastdozent im Garten der Villa Nestle mit der Schülergruppe. „Der Stein bremst die Kreativen zunächst aus“, ist seine Erfahrung, „er macht nicht alles mit und nimmt nicht alles an“. Die Seelöwenform, die Mareike Markheiser ihm gibt, aber schon, und auch die Maskenform oder das archaisch anmutende Muster.
In der Ausstellung erregen die Skulpturen Aufmerksamkeit. Auf ganz andere Art, als die Clown-Truppe, die Tanja Landes und Martina Spröhnle zwei Tage lang geschult haben. „Seht mal an, was in Euch steckt“, loben die Trainerinnen ihre Schützlinge, die mit herrlicher Mimik und Gestik mitten im Schulzimmer Achterbahn fahren, dass man sich kugeln möchte vor Lachen.
Klassisch oder hip
Einem so klassischen Projekt wie der Kalligrafie gewinnen auch Foto- und Medientechniker etwas ab: „Je voudrais Sie gerne küssen“ prangt es wie gemalt auf dem riesigen Liebesbrief, den Chris Krepp grinsend seiner Klassenkameradin zeigt. Unterm Dach der Villa ist an den letzten Schultagen das Maler-Atelier. Elisa Stark braucht keine Staffelei, sondern übt Action Painting mit Körpereinsatz, Thomas Hennrich widmet den vier Druckerfarben ein Kunstwerk und Vincent Knobl spiegelt einen Schriftzug als Anagramm.
Die dritte Dimension entdecken
Die Schule für Gestaltung wäre allerdings nicht, was sie ist, wenn nicht Fotografen im Haus unterwegs wären. 3-D-Fotografie bei Manfred Kirschner macht den Schülern Spaß: Auffällig bebrillt bearbeiten sie ihre Aufnahmen. Im Studio übt Ebby May mit seinem Kurs die alte Handwerkskunst: Schwarz-Weiß-Fotografie will gelernt sein, erfährt Frederic Staub, der zum ersten Mal selbst Bilder entwickelt und das sehr spannend findet.
























