"NewGen50+" - Projektmeeting in Finnland

"Ungestörtes Lernen“ könnte der Werbeslogan unserer Partnereinrichtung in Ilmajoki heißen. Die South Ostrobothnia Folk High School, die wir beim dritten Treffen im Rahmen des Projektes "NewGen 50+“ besuchten, liegt 360 km nördlich von Helsinki in einer idyllischen Landschaft. Von Kyösti Nyyssölä, dem Leiter erfuhren wir, dass diese Art von Bildungseinrichtung für die weiten, ländlichen Regionen Finnlands typisch ist. 

25 Teilnehmer/-innen von acht europäischen Bildungsträgern sind in diese Grundtvig - Lernpartnerschaft eingebunden, die das Ziel hat, den Bildungsbedarf von Menschen ab 50 Jahren zu erfassen und Weiterbildungsangebote in den Partnerländern zu vergleichen. Dazu sollten beim Treffen in Finnland Kriterien für "erfolgreiche Praxisbeispiele“ definiert werden, um in einem weiteren Schritt zu prüfen, inwieweit bestehende Angebote für die Zielgruppe 50+ diesen Kriterien Rechnung tragen.

In der Diskussion wurde schnell klar, dass es eine einheitliche Zielgruppe nicht gibt. Zu unterschiedlich  sind die Interessen, die Zugangsvoraussetzungen und die Motive der Teilnehmenden. So umfasst "50+“ Beschäftigte und Arbeitslose, die sich beruflich weiterqualifizieren ebenso wie aktive Senior/-innen im Ruhestand, die sich mit großem Engagement Themen widmen, für die sie während ihrer Erwerbstätigkeit keine Zeit hatten: Sie belegen Yogakurse, frischen ihre Englischkenntnisse auf, beschäftigen sich mit Kunstgeschichte oder lernen, mit dem PC umzugehen.

Die spannende Frage war, wie angesichts der Heterogenität der Zielgruppe und der Vielfalt der Kurse, gemeinsame Kriterien für gute Angebote gefunden werden können. Die Workshops dazu brachten aber überraschend schnell konkrete Diskussionsergebnisse. So ließen sich personale und soziale Kriterien für eine gute Kursgestaltung ausmachen, ebenso wie methodisch-didaktische Anforderungen an einen erwachsenengerechten Unterricht und eine ansprechende Lernumgebung. Viele ältere Teilnehmer/-innen wollen nicht nur entspannt und ohne Leistungsdruck lernen, sie wollen sich auch im Kurs wohlfühlen und Kontakte pflegen. Das erfordert von den Lehrkräften in der Erwachsenenbildung ein besonderes Einfühlungsvermögen. An der Frage des Lerntempos entzündete sich eine lebhafte Diskussion. Die Auffassung, ältere Menschen würden grundsätzlich langsamer lernen wurde von der Kollegin aus Schweden empört zurückgewiesen. Ältere sind sogar in der Lage schneller zu lernen, wenn es den Lehrkräften gelingt, den Teilnehmenden neues Wissen methodisch-didaktisch so anzubieten, dass es mit Vorerfahrungen verknüpft werden kann. So lässt sich das englische Wort kitchen leichter lernen, wenn man dabei an ein "Kittchen für Frauen“ denkt. Auch wenn der Vergleich nicht ernst zu nehmen ist, er ist auf jeden Fall "merk“-würdig.

Mit einer Liste von Qualitätskriterien für guten, zielgruppengerechten Unterricht gehen die Teilnehmer/-innen in die nächste Projektphase. Bis zum Treffen im Herbst in Portugal werden Bildungsangebote für Ältere daraufhin ausgewertet, inwieweit sie spezielle Bedürfnisse der Zielgruppe berücksichtigen. Das Ergebnis, ein Katalog von Qualitätskriterien für ein entsprechendes Bildungsangebot, kann auch für das Kolping-Bildungswerk als Leitfaden für künftige Kursangebote oder Unterrichtsevaluationen eingesetzt werden.

Ingrid Weiß

Kolping-Bildungszentrum Heilbronn

Mittwoch, 8. Februar 2012
Qualitätsgemeinschaft