Rombach-Preisverleihung mit Stil
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Es ist eine erlesene Atmosphäre, in der die Stadt Heilbronn alljährlich den Otto-Rombach-Preis verleiht. Auch 2011 brachten bereits mehrfach ausgezeichnete Musikschülerinnen und -schüler mit ihren Instrumenten den Rokokosaal im Schießhaus zum Klingen, die Schülerin Marina Röhrich stellte ihre Kurzgeschichte „Das Leben aus Sicht einer Puppe“ vor.
Kleist forever
Das Fach Bildende Kunst vertrat heuer Millie Übele, angehende Grafik-Designerin der Schule für Gestaltung im Kolping-Bildungszentrum. Sie ist eine der neun Stipendiaten, die 2011 in den Genuss von 400 Euro Preisgeld kommen. Heinrich von Kleist und Städte, in denen er lebte, hat sie zum Thema ihrer plastischen Darstellung zum Leben des Dichters gemacht. Aus Sperrholz ausgesägt, lässt das Konterfei des Dichters quasi hinter sein Äußeres blicken. Eine Collage aus Draht-Skizzen der Wahrzeichen von Paris, Berlin und des Kleist-Museums in Frankfurt/ Oder sind mit Kleist-Zitaten zu einer Collage arrangiert. Gips und Kaffee hat die junge Künstlerin verwendet, um dem Kleist-Portät eine Kontur zu geben, die Hintergrund-Platte mit ihren typografischen Darstellungen einzelner Lebensstationen lugt in Schwarz-, Weiß - und Grautönen hinter der maskenhaften Porträt-Fassade hervor.
Blick in die Welt
Je nach Blickwinkel ergibt sich eine andere Weltsicht - durchaus sinnbildlich für Leben, Werk und schließlich auch den Freitod des Literaten. Recherchen im Heilbronner Kleist-Sembdner-Archiv haben die 19-Jährige auf die Idee gebracht, die sie in den vergangenen vier Monaten umsetzte. Für ihren Plan, nach Abschluss ihrer Ausbildung erst einmal zu reisen, will sie das Preisgeld einsetzen, das sie aus der Hand von Kulturbürgermeister Harry Mergel entgegennahm. Dieser freut sich auf Abwechslung vor seinem Dienstzimmer: Die Vorjahresarbeit zu „Kleists Lebenskrisen“ wird abgelöst durch das aktuelle Preisträger-Werk.
Info: Seit 1986 vergibt die Stadt Heilbronn den Kulturpreis, finanziert aus Geldern der Otto-Rombach-Stiftung, an Nachwuchskünstler aus der Region in den Sparten Musik, Literatur und Bildende Kunst. Die Schule für Gestaltung stellte schon mehrfach Preisträger.
Selbstbewusst: Nachwuchs-Gestalter blicken auf 200 Jahre Käthchen von Heilbronn
Heilbronn feiert Kleist
Heinrich von Kleists Käthchen trägt nicht nur den Namen der Stadt in die Literatur-Welt. Es ist auch 200 Jahre nach der Uraufführung des Schauspiels eine Figur, mit der sich junge Menschen beschäftigen. Angehende Grafik-Designer der Schule für Gestaltung interessieren sich immer wieder für die Frauenfigur, über deren Bezug zu der Neckarstadt sich die Wissenschaft bis heute nicht einig ist.
Sieger-Logo aus der Villa Nestle
Einig waren sich dagegen Judith Weiner und Lisa Hofmann aus der dritten Grafik-Design-Klasse über ihren Gestaltungsvorschlag für ein Logo zum Festjahr: Das Käthchen 2010 ihres Siegerentwurfs ist selbstbewusst, steht mit beiden Beinen auf der Erde und weiß, was sie will. Der Anlass für die Schwarz-Weiß-Darstellung - 200 Jahre Käthchen von Heilbronn - prägt sich durch die dicken Helvetica-Lettern unter den beiden Mädchengestalten ein: 1810|2010 prangt es unter den wie Schattenrisse hintereinander gesetzten Silhouetten. Das Ursprungs-Käthchen, grau, in Rock und Zopf, tritt hinter der modernen jungen Frau in lässiger Haltung, Hosen und zeitgemäßer Frisur zurück.
Kolping-Bildungszentrum feiert mit
Wenn Heilbronn in diesem Jahr sein Käthchen feiert, sind die Gestaltungs-Schüler des Kolping-Bildungszentrums sicher unter den vielen Aktiven, die sich dem Kleist-Stoff schreibend, musizierend, Theater spielend, tanzend oder dichtend annähern. Mit einem bunten Programm ehren Stadt und Kleist-Sembdner-Archiv, Stadtarchiv und VHS, Kammerorchester, Schüler und Kleist-Fans den Dichter und sein Vermächtnis ans Unterland. Die Ergebnisse des Wettbewerbs „Best of Käthchen“ zeigte das Stadttheater Heilbronn im Sommer. Die Plakate zum Wettbewerb haben der künftige Grafik-Designer Felix Heym und David Prior, angehender Foto- und Medientechniker, gestaltet. Die beiden stellten außerdem unter dem Titel "Neustart" im Rathaus und im Theater ihre gemalten und fotografierten Porträts von Protagonisten des Käthchen aus.
Info: Presseresonanz aus
Kultur- und
lokaler Sicht
Hintergrund: Schon 2008 war der damalige Abschluss-Jahrgang des Berufskolleg Grafik-Design im Käthchen-Fieber: Damals beteiligten sich Schüler/-innen an der Käthchen-Parade, die einen Sommer lang für Gesprächsstoff in der Stadt sorgte. Außerdem gehören inzwischen zahlreiche Gestaltungs-Schüler/-innen aus der Villa Nestle zu den Trägern des Otto-Rombach-Preises: Anlässlich der Ausschreibung setzen sich immer wieder Berufskollegiaten mit Heinrich von Kleist und seinem Werk auseinander.



