Junge Sicht auf Heilbronns "Lokalheilige"
Kultfigur
Der Kontakt zum Stadttheater Heilbronn hat bei Felix Heym und David Prior von der Schule für Gestaltung das Interesse an Kleists Heilbronner Kultfigur geweckt: "Neustart" ist für die beiden Nachwuchs-Künstler ihre erste Einzelausstellung, in der sie auf fotografierten und gemalten Porträts Figuren aus Kleists Schauspiel zeigen. Heilbronns Kulturbürgermeister Harry Mergel hat die Schau im April im Rathaus eröffnet. Im Juni begleitet sie im Theater den Best-of-Käthchen-Wettbewerb und die Jubiläums-Premiere des Kleist-Schauspiels.
Unkonventionell
„Sehr beeindruckt“ zeigte sich Mergel von den Porträts, die sich als „unkonventioneller und spontaner Beitrag“ in die Folge von neuen Gedanken, Texten, Betrachtungen und szenischen Umsetzungen einreihen, die im Jubiläumsjahr die 200 Jahre alte Botschafterin der Neckarstadt feiern.
Junger Blick
Der Titel „Neustart“, den die Kolping-Schüler ihrer Ausstellung gegeben haben, verweist zurück auf ihre Intention: Aus unserer Zeit auf das Stück und seine Hauptprotagonisten blicken und sie neu zu interpretieren. Heilbronns „Lokalheilige“, wie Neckarsulms Stadtmuseums-Leiterin Natalie Scheerle-Walz das Käthchen in ihrer Einführung zur Ausstellung titulierte, taucht der Maler Felix Heym in ein unschuldiges Rosa, ihre Widersacherin Kunigunde gibt er in blau- und Lilatönen wieder, den Vater umspielt Hoffnungs-Grün. In jedem Porträt unterstreicht Heym die Charakterzüge der Hauptdarsteller des Ritterdramas mit sprechenden Farben.
Selbst entwickelt
Schwarz-weiß, einen Meter breit und hoch, hat David Prior seine Porträts gehalten. Analog fotografiert und im Schul-Labor entwickelt, fangen die Fotografien die Eigenschaften der Kleist-Akteure ein: Das scheue, in seiner Welt gefangene und doch Stärke vermittelnde Käthchen, den Grafen, der seinem Namen Ehre macht und strahlt, den Käthchen-Vater Theobald Friedeborn, der den Betrachter als einfacher Mann anblickt und für den der Schauspieler Rolf-Rudolf Lütgens Modell stand.
Charakter-Köpfe
Die beiden jungen Männer haben nicht das historische Käthchen ins reale Leben eingesetzt, wie das für Marketing-Zwecke in Heilbronn oft praktiziert wurde, sondern sind den umgekehrten Weg gegangen, erklärte Scheerle-Walz: „sie haben das reale Leben mit der Kunst verbunden“. Die Interpretation der Käthchen-Hauptdarsteller nutze eine neue Bildsprache weg von Theater und vom gesprochenen Wort.
- Info: Von Mittwoch, 23. Juni, bis Donnerstag, 15. Juli, ist die Ausstellung im Komödienhaus des Theaters Heilbronn zu sehen.
Selbstbewusst: Nachwuchs-Gestalter blicken auf 200 Jahre Käthchen von Heilbronn
Heilbronn feiert Kleist
Heinrich von Kleists Käthchen trägt nicht nur den Namen der Stadt in die Literatur-Welt. Es ist auch 200 Jahre nach der Uraufführung des Schauspiels eine Figur, mit der sich junge Menschen beschäftigen. Angehende Grafik-Designer der Schule für Gestaltung interessieren sich immer wieder für die Frauenfigur, über deren Bezug zu der Neckarstadt sich die Wissenschaft bis heute nicht einig ist.
Sieger-Logo aus der Villa Nestle
Einig waren sich dagegen Judith Weiner und Lisa Hofmann aus der dritten Grafik-Design-Klasse über ihren Gestaltungsvorschlag für ein Logo zum Festjahr: Das Käthchen 2010 ihres Siegerentwurfs ist selbstbewusst, steht mit beiden Beinen auf der Erde und weiß, was sie will. Der Anlass für die Schwarz-Weiß-Darstellung - 200 Jahre Käthchen von Heilbronn - prägt sich durch die dicken Helvetica-Lettern unter den beiden Mädchengestalten ein: 1810|2010 prangt es unter den wie Schattenrisse hintereinander gesetzten Silhouetten. Das Ursprungs-Käthchen, grau, in Rock und Zopf, tritt hinter der modernen jungen Frau in lässiger Haltung, Hosen und zeitgemäßer Frisur zurück.
Kolping-Bildungszentrum feiert mit
Wenn Heilbronn in diesem Jahr sein Käthchen feiert, sind die Gestaltungs-Schüler des Kolping-Bildungszentrums sicher unter den vielen Aktiven, die sich dem Kleist-Stoff schreibend, musizierend, Theater spielend, tanzend oder dichtend annähern. Mit einem bunten Programm ehren Stadt und Kleist-Sembdner-Archiv, Stadtarchiv und VHS, Kammerorchester, Schüler und Kleist-Fans den Dichter und sein Vermächtnis ans Unterland. Die Ergebnisse des Wettbewerbs „Best of Käthchen“ zeigt das Stadttheater Heilbronn vom 28. Juni bis 1. Juli 2010. Die Plakate zum Wettbewerb haben der künftige Grafik-Designer Felix Heym und David Prior, angehender Foto- und Medientechniker, gestaltet.
Info:
Veranstaltungs-Übersicht zum Käthchenjahr 2010.
Presseresonanz aus
Kultur- und
lokaler Sicht
Hintergrund: Schon 2008 war der damalige Abschluss-Jahrgang des Berufskolleg Grafik-Design im Käthchen-Fieber: Damals beteiligten sich Schüler/-innen an der Käthchen-Parade, die einen Sommer lang für Gesprächsstoff in der Stadt sorgte. Außerdem gehören inzwischen zahlreiche Gestaltungs-Schüler/-innen aus der Villa Nestle zu den Trägern des Otto-Rombach-Preises: Anlässlich der Ausschreibung setzen sich immer wieder Berufskollegiaten mit Heinrich von Kleist und seinem Werk auseinander.







