Antike Technik legt den Grund für die Moderne

Antike Technik macht Spaß. Bei der Ausstellungseröffnung probierten das aus (v.l.): Christa Eberle, Marianne Illi-Schraivogel, ESG-Schulleiterin Ursula Bauer, Dr. Bertram Maurer, Kultusminister Helmut Rau, KBW-Vorstand Dr. Carsten Breyde

Die Ausstellung Technik und Antike, eine Kooperation von Schulen des Kolping-Bildungszentrums Stuttgart mit dem Eduard-Spranger-Gymnasium Filderstadt, ist am Montag eröffnet worden. Schirmherr Kultusminister Helmut Rau sprach ein Grußwort, Susanne Heydenreich vom Theater der Altstadt sorgte für die musikalische Auflockerung und Holger Sonnabend, Professor für alte Geschichte an der Universität Stuttgart, stellte die Antike und ihre Technik auf unterhaltsame Weise vor.

Technik in der Antike? „Das traut man dieser Epoche eigentlich nicht zu“, stellt Sonnabend fest. Und er erklärt auch gleich, warum die Technik in der Antike – trotz vieler Erfindungen der alten Griechen – nicht so recht zum Tragen gekommen ist.

Zum einen waren da die aristokratischen Meinungsführer, die körperliche, schweißtreibende Arbeit verachteten und die sich diese Verachtung auch leisten konnten. Deren Einkünfte stammten meistenteils aus verpachteten Ländereien. Arbeiter waren „Banausen“ und wurden gering geschätzt. Zum andern war die Zielsetzung von Technik nicht die Erleichterung des Alltags. Arbeitskräfte gab es in der Antike genug. Der römische Kaiser Vespasian (69 bis 79 n. Chr.) habe, so erzählt der Historiker, eine  Maschine abgelehnt, mit der man die schweren Bausteine leichter aufs Kapitol hätte heben können. Die Begründung des Kaisers: Man möge ihm nicht die Gelegenheit nehmen, seine Leute zu beschäftigen. Und zum dritten investierten in der antiken Gesellschaft die Leute, die Geld hatten, nicht in Technik. Damit wurden die Ideen nicht umgesetzt, weil sie nicht „in Serie gehen“ konnten. „Viele Erfindungen wurden einfach vergessen“, mutmaßt Sonnabend.

Als größter Techniker der Antike gilt Archimedes (287 – 212 v. Chr.) Bekannt ist er vor allem durch sein „Heureka“ bei der Entdeckung des spezifischen Gewichtes in der Badewanne. Dieser höchst erfolgreiche Tüftler hatte aber in Hieron von Syrakus einen königlichen Sponsor. „Bekannt ist Archimedes nicht nur, weil er genial war, sondern auch, weil er einen Geldgeber hatte“, erklärt der Historiker. Vermutlich habe es „Tausende von Archimedessen“ gegeben, deren Erfindungen einfach vergessen seien. 

Gleichwohl ist die Liste der technischen Errungenschaften in der Antike immer noch beachtlich und umfasst grundlegende Prinzipien, ohne die die heutige Technologie nicht denkbar wäre. Sonnabend zitiert den amerikanischen Althistoriker Moses Finley, der die prinzipiellen Erfindungen der Antike aufgelistet hat: Zahnrad, Schraube, Wassermühle und Glasbläserei sind da vertreten, außerdem das Katapult, die Wasseruhr und nicht zuletzt die Automaten.

Beispielsweise wurden Weihwasserautomaten an den Tempeleingängen aufgestellt. Wo es früher das Wasser zur obligatorischen rituellen Reinigung umsonst gab, stand plötzlich ein Kasten, in den man etliche Drachmen einwerfen musste, um an das benötigte Nass zu kommen. Sonnabend:„Einen solchen Weihwasserautomaten gibt es auch in der Ausstellung, und er vermittelt, wie die anderen Exponate auch, einen sehr anschaulichen Eindruck von der antiken Technologie.“

Mittwoch, 8. Februar 2012
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